petra: Die politischen Oscars

Die politischen Oscars

Dieser Beitrag richtet sich an alle, die in den nächsten Tagen die Nachrichten hören, aber die Oscar-Verleihung nicht angesehen haben und so womöglich einen etwas besonderen Eindruck gewinnen würden.

Die Tagesschau hat uns eingestimmt, die Oscars werden politisch.
Wie das? Witze? Kommentare? Sicher. Aber auch dadurch:

„Warum viele Stars bei der Oscar Verleihung eine blaue Schleife tragen“
http://www.huffingtonpost.de/2017/02/27/oskar-blaue-schleife_n_15032444.html

Stars mit blauer Schleife
http://www.glamour.de/stars/star-news/oscars-blaue-schleife

Auch hier werden sie erwähnt, die blauen Schleifen.
http://www.tagesspiegel.de/kultur/kino/89-oscar-verleihung-im-liveblog-wird-es-die-nacht-von-la-la-land-und-toni-erdmann/19433360.html

Also: total politischer Oscar und die Star protestieren. Oder auch nicht.

Es entsteht der Eindruck, als würde man in LA kein Stück blauen Stoff mehr finden, weil die Stars im Widerstand sind.
Nicht doch, die Schleife wurde eben nicht von den Stars getragen, die vielleicht sogar damit Aufsehen erregen würden.
Wer war es und wer nicht? Und vor allem warum?

Die Antworten auf diese Fragen machen klar, warum es nicht den von den Medien hochgeschriebenen „Massenprotest“ gab.

Hier die Gründe mal im Überblick:
https://www.theguardian.com/film/2008/nov/14/thriller-ridley-scott
https://www.theguardian.com/film/2009/jul/06/us-military-hollywood

In diesen beiden Artikeln wird erklärt, dass viele Blockbuster durch CIA bzw. Pentagon finanziert werden. Solche Mittel müssen zur Verfügung gestellt werden. Vor allem wenn es um das Militär geht, kann der Oberkommandierende (Trump ist eben genau das), ne Menge Hollywoodbudgets sprengen.

Bislang ist es zum Beispiel so, dass die Produzenten nur für den Sprit, der während der Dreharbeiten verbraucht wird, bezahlen müssen, wenn sie vom Pentagon finanziert werden. Das gesamte Material (Schiffe, Flugzeuge etc) wird eingesetzt und es muss keine Miete oder ähnliches entrichtet werden. Das macht schon ein riesiges Ersparnis bei den Produktionskosten aus. Keine Statisten und keine „Kostüme“. Die Soldaten in Uniform sind im Lieferumfang inbegriffen.

Werden die Stars, die ganz bestimmte Filme machen, meist Blockbuster, sich diesem Protest anschliessen?

Auch darf man nicht vergessen, so ein Oscar, aber auch schon die Nominierung, steigert den Marktwert. Ein klares politisches Statement kann durchaus ein Stolperstein auf dem Weg zum richtig guten Job sein. Denn am besten sind Schauspieler ohne Eigenschaften, denn diese können dann alles darstellen.

Ich habe mich daran gemacht, die Oscars auf „Politik“ zu untersuchen.

Moderator: Jimmy Kimmel
Er ist ein Talkmaster (Late Night) und natürlich trat der Obama während seiner Präsidentschaft bei ihm auf. Also ein ganz Treuer. Da er mit dem klassischen Hollywood eigentlich nichts zu tun hat, kann er es sich leisten politisch zu werden. Er sagt viel, aber: keine Schleife!

Im Zuschauerraum, keine Flut von Schleifen, ab und an sieht man eine. Huch, da hat man mir aber beim roten Teppich-Getue und davor in den Medien ein etwas anderes Bild gemalt.

Insgesamt betraten 43 Personen als Laudatoren die Bühne. (Davon äusserten sich 3 politisch).

Während der 5 musikalischen Darbietungen gab es keine Schleifen zu sehen.

Insgesamt 24 Kategorien wurden mit einem Oscar ausgezeichnet (in manchen Kategorien gab es mehrere Empfänger) und es gab 3 politische Äusserungen.

Hier gab es einen Träger einer blauen Schleife und eine Frau bei der ich nicht weiss, ob das eine merkwürdige Brosche war, oder eine Schleife darstellen sollte (Kostümdesign).

Sting, Samuel L. Jackson und Leonardo di Caprio, die alle für ihr politisches Engagement bekannt sind, trugen keine Schleifen und gaben keine Statements ab. Und nicht einmal die renitente Meryl Streep trug eine Schleife. Als Laudatorin blieb sie beim Thema, ohne einen Hauch von Politik. Kein Skandal. Ich war schockiert.

Und inhaltlich, wurde es sonst sehr politisch? Nun, abgesehen von Kimmel (der Moderator spottet aber jedes Jahr), gab es da die politische Kundgebung, also massenhafte Bekenntnisse, Forderung, Kritik von Laudatoren und Gewinnern?

Einige Male wurde das vereinte am Dasein als Künstler, als Mensch in der Filmindustrie, der globale Charakter des Filmes etc betont.
Das reicht mir nicht, um es als „politisch“ einzusortieren. Denn solche Sätze hört man jedes Jahr.

Hier die Liste der politischen Äusserungen:

Ein Gewinner (Make Up) erklärte, ich bin ein Immigrant und das hier (Oscar) ist für alle Immigranten.

Ein Laudator rief zum Widerstand gegen Hass und alles was uns trennt auf.

Der iranische Preisträger (Fremdsprachiger Film) blieb der Zeremonie aus Protest gegen das Einreise Verbot und aus Respekt vor allen, aus den betroffenen Ländern, die nicht in die USA einreisen dürfen fern (Erklärung verlesen).

Ein weiterer Laudator sprach sich für Migranten und gegen Mauern jeder Art aus.

Die Preisträger (best adopted Screenplay) sprachen extrem schnell, aber sprachen von den „nächsten 4 Jahren“. (das war der Träger der blauen Schleife).

Warren Beatty (Laudator) erklärte, dass das Ziel von Filmen und das der Politik das gleiche sei, nämlich die Wahrheit zu finden und rief zu Frieden und Respekt für die Unterschiede in der Welt auf. Allerdings fällt es mir sehr schwer, seine politische Aussage zu stark zu bewerten, in Anbetracht der Tatsache, dass der Mann ausgerechnet beim wichtigsten Preis „Bester Film“ den falschen nannte, die falschen Leute auf die Bühne kamen und feierten und er orientierungslos auf der Bühne herumirrte, bis der Fehler korrigiert wurde.

Ich muss nun mal sagen: für 4 Stunden, für die man mir immerhin Protest und was weiss ich noch alles prophezeite, ist die Ausbeute doch ziemlich mager. Ich meine in Anbetracht der Menge an Menschen, die da über die Bühne huschten.

Einmal wurde es allerdings sehr politisch und ich war kurz davor, meine Kaffetasse in meinen Fernseher zu werfen. Und das Laptop gleich hinterher. Denn in der Kategorie „Best documentary (short subject)“ ging an den Film „White Helmet“. Kaum wurde dieser Film genannt, gab es Standing Ovations. Die aufgelöste Siegerin dankte den Weisshelmen und verlas dann noch eine Nachricht der „Weisshelme“, in der sie erklärten, sie haben 8000 Menschen gerettet und ein Apell senden, den Konflikt in Syrien zu beenden. Und für die paar, die es noch nicht verstanden haben, wurden dann noch mal alle aufgefordert, „für die Weisshelme“ aufzustehen.

Tja – und das ist das, was bei diesem Event wirklich passierte. Und ich freue mich jetzt schon darauf, wie man diese wenigen Äusserungen zu Massenprotesten und einem potenziellen Aufstand Hollywoods aufblasen wird.


https://propagandamelder.wordpress.com/2017/02/27/propagandameldungen-vom-27-februar-2017/comment-page-1/#comment-113509