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Bisher fehlte mir die Zeit, aber ich wollte unbedingt noch Deppendorfs Kommentar in den Tagesthemen vom 12.2.2015 kommentieren bzw. zerlegen, also am Abend nach den Verhandlungen von Minsk. Hieran kann man beispielhaft erkennen, was gespielt wird und dass es nie um Objektivität ging:

Und ob Poroschenk und Putin die Kraft, und im Falle Putins überhaupt den Willen haben, alle Vereinbarungen umzusetzen, das ist eher zweifelhaft.

Auch immer Miene und Betonungen genau beobachten.
Also: Bei Poroschenko ist der Wille unzweifelhaft, bei Putin „eher“ (sprich: mehr als) zweifelhaft. Wir kommen darauf nochmal zurück und halten vorerst fest: Die Hardliner aus Washington und deren Handlanger in Kiew spielen bei Deppendorf überhaupt keine Rolle. Putin war ja nicht gezwungen, an diesen Verhandlungen teilzunehmen. Bei Poroschenko sieht das ganz anders aus. Er will Geld von der EU, er kann Merkel und Hollande nicht brüskieren. Er musste in Minsk Kreide fressen. Wie es um seinen Willen steht, vor allem aber um seine Macht, das jetzt umzusetzen, DAS ist die eigentliche Frage. Welchen Grund sollte Putin haben, sich nicht daran zu halten? Er hätte, wenn ihm irgendetwas nicht gepasst hätte, jederzeit gehen können. Was er unterschrieben hat, ist für IHN auch akzeptabel, und er wird sich selbstverständlich daran halten. Wie groß sein Einfluss auf die Volksmilizen ist – nun, das wissen wir alle nicht. Auch darauf kommen wir später nochmal zurück.

Das mühsam erzielte Ergebnis ist erst einmal ihr (Merkels und Hollandes) Erfolg.

Hier windet er sich spürbar. Aus der transatlantischen Sichtweise war das ganze Treffen unsinnig. Merkel darf man aber auch nicht gleich fallen lassen. Also lobt man sie halbherzig und bereitet bereits das Scheitern – wegen Putin – vor. Ganz deutlich ist das hier zu beobachten.

Und: Europa und die USA haben trotz Differenzen…noch… zusammen gehalten. Eine Spaltung Europas und des Westens hat Putin bislang nicht geschafft.

Er wird es aber, so ist zwischen den Zeilen herauszuhören, weiter versuchen. Da fragt sich der einigermaßen aufgeklärte Zuschauer: Wieso Spaltung Europas und des Westens? Was hat Putin denn diesbezüglich getan? Er verfolgt von Anfang an eine klare Linie. Er lässt sich nicht seine wenigen Militärstützpunkte wegnehmen. Und er unterstützt – wie genau ist heftigst umstritten – die russischsprachige Bevölkerung im Osten der Ukraine. Was ihm grundsätzlich überhaupt nicht vorgeworfen werden kann, aber trotzdem wird, und damit das funktioniert, werden ihm Sachen angedichtet, die sich durch nichts belegen lassen. Das ist einmal die angebliche militärische Unterstützung und zum anderen will er jetzt auch noch den Westen spalten. Natürlich haben die USA noch niemals den Osten gespalten… auch nicht durch Aufnahme östlicher Länder in die Nato etc…. aber das nur nebenbei. Weil Putins Motive, wenn man es genau und unvoreingenommen betrachtet, durchaus verständlich und geradezu logisch sind, werden ihm falsche Motive angedichtet. Belegt wird das nicht, wozu auch…

Doch…..er ist letztlich der Sieger.

Betonung!
Aha. Putin ist der Sieger. Interessant. Warum?

Die Ostukraine dürfte wohl auf Dauer in seinem Einflussbereich bleiben.

Ah, verstehe. Es geht ja bekanntlich immer um die Menschen. Immer. Außer, wenn diese sich eher zu Russland hingezogen fühlen, also wenn sie „prorussisch“ sind. Das ist natürlich ein Unding. Wie, die wollen vielleicht auch lieber im russischen Einflussbereich bleiben? Wen interessiert das denn? Die USA wollen sie in ihren Einflussbereich ziehen, über EU und Nato. Egal, ob die das wollen oder nicht. Und wenn den USA das nicht gelingt, dann ist Putin der Sieger. Und das ist natürlich schlecht – zumindest für Deppendorf.

Aber Moment mal…bezweifelte der weiter oben nicht den Willen Putins, sich an die Vereinbarungen zu halten? Jetzt bin ich doch etwas verwirrt. Wenn Putin der Sieger ist, warum sollte er sich dann nicht daran halten? Kapiert – außer Deppendorf – das auch nur ein einziger Mensch?

Und an Putin geht nach diesem Abkommen kein Weg mehr vorbei, wenn die EU ein Freihandelsabkommen mit der Ukraine verhandeln will.

Warum? Hat Putin verlangt, dass die ukrainische Regierung zurücktritt? Hat er verlangt, dass sie nur mit ihm das Freihandelsabkommen verhandeln darf? Hat er die Souveränität Kiews bestritten? Was hat das Freihandelsabkommen mit diesen Verhandlungen zu tun? Antwort: Überhaupt nichts! Kiew kann solche Abkommen mit der EU genau so undemokratisch beschließen, wie das jedes EU-Land andauernd macht. Auch in Deutschland fragt niemand die Bürger, ob sie TTIP wollen, einen Irakeinsatz, Euro-„Rettungsschirme“ usw. Legitimation sind alleine die Wahlen, bei denen diese Themen auch medial komplett unter den Tisch fallen, weil immer dann gerade „Ausländermaut“ & Co wichtiger sind.

Aber – er hat sich auch entlarvt. Er hat eben doch den größten Einfluss auf die Separatisten. Die Maske ist endgültig gefallen.

Jetzt wird es endgültig absurd. Welche Überraschung – Putin Einfluss auf die russischsprachigen Menschen in der Ostukraine ist größer als der von merkel, Hollande oder Obama. Und sein Einfluss auf die leute, die mit der Regierung in Kiew nichts zu tun haben wollen, ist größer als der Poroschenkos. Das ist ja mal eine sensationelle Nachricht. „Die Maske ist gefallen“ – Herr Deppendorf, wollen Sie jetzt Ihrem Namen wirklich alle „Ehre“ machen? Mit Verlaub: Was Sie da von sich geben, ist einfach nur dämlich. Schweigen wäre hier wirklich die bessere Wahl. Aber Sie müssen unbedingt noch einen draufsetzen:

Von Putin allein hängt es jetzt in erster Linie ab, ob am Ende die Kraft der Worte, so Außenminister Steinmeier, über die mörderische Kraft der Waffen siegt. Wenn nicht, wäre es für Europa eine Katastrophe

Wenn Putins Einfluss auf die Volksmilizen tatsächlich so weit geht, dass diese ihm folgen, dann müssen Sie sich darüber keine Sorgen machen – dann werden diese ihre Waffen schweigen lassen. Allerdings ist eben genau das nicht so einfach – Putins Einfluss ist natürlich „am größten“, verglichen mit den anderen Staatschefs, und darüber lag auch noch nie eine Maske. Aber ob er dafür ausreicht, das genau wissen wir alle nicht. Voraussetzung für einen Waffenstillstand ist aber eben NICHT Putin, sondern es ist Washington, es ist der Rechte Sektor in der Ukraine, es ist Jazenjuk und sein Kabinett, es ist die Rada, es ist auch Poroschenko, und es sind dann auch wieder Merkel, Hollande, Obama, die dann ein Machtwort sprechen müssten, Sanktionen gegen Kiew verhängen etc., wenn von dort Probleme kommen. Und sie kommen ja längst, aber bei der ARD ist nach wie vor alleine Putin verantwortlich – weil die USA das sagen (wie heute schon in der Tagesschau zu hören war).

Sie liegen so weit daneben, Herr Deppendorf, dass es weh tut. Mir tut es weh und vielen anderen auch. Ihnen aber selbst tut es scheinbar nicht weh – und das ist unser aller Problem. Wir müssen dafür sorgen, dass es Ihnen weh tut. Unsere Mittel sind bescheiden, aber sie wirken, und am besten erkennt man es daran, dass Ihre Propaganda immer dreister und übertriebener wird. Das ist Panik. Also machen Sie ruhig weiter so – es geht alles nach hinten los.

https://propagandamelder.wordpress.com/2015/02/14/propagandameldungen-vom-14-februar-2015/comment-page-1/#comment-2832

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