Wahlausgang in Estland und die Berichterstattung darüber

Der Tagesspiegel aus Berlin erklärt im Vortext zu seinem Bericht (http://www.tagesspiegel.de/politik/wahlen-in-estland-regierungsbuendnis-verliert-absolute-mehrheit/11442828.html), die prorussische Zentrumspartei habe die Wahlen “deutlich” verloren, während der bisherige Regierungschef mit seiner Reformpartei “die Wahl in Estland gewonnen” habe. Im Text ist dann zu lesen, dass die Reformpartei “drei Sitze” einbüßte, während die Zentrumspartei “einen Sitz” hinzugewann.

Die Tagesschau verhält sich schlauer (http://www.tagesschau.de/ausland/estland-parlamentswahl-101.html). Sie berichtet korrekt, dass die Mehrheit der Esten prowestliche Parteien gewählt habe, verzichtet aber komplett auf eine Darlegung der Veränderungen bei den Wahlergebnissen gegenüber dem letzten Mal. In der Kommentarfunktion findet sich dann ein Link zu den offiziellen Wahlergebnissen (http://rk2015.vvk.ee/voting-results.html), der zeigt, dass die prorussische Zentrumspartei sowohl Stimmenanteile (+1,5 %punkte) als auch einen Sitz (jetzt 27) hinzugewonnen hat, die Reformpartei hingegen 0,9 %punkte und drei Mandate verlor und ihr bisheriger Koalitionspartner sogar 2,9 %punkte und vier Mandate.

Der Vogel wird allerdings von der FAZ abgeschossen (http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/parlamentswahl-regierungsparteien-liegen-in-estland-vorn-13458195.html), die der Zentrumspartei “erhebliche Verluste” attestiert. Sie sei “Klarer Verlierer”, weil sie “nur noch auf 16 Mandate” käme, während sie “im bisherigen Parlament …] 26 Mandate” innehatte. Die FAZ verwechselt hier das Ergebnis der Zentrumspartei offenbar mit dem der Sozialdemokraten, vergleicht ihre irrigen Ergebnismitteilungen dann aber mit den Ergebnissen der vorherigen Wahl. Das führt dann zu ihrem Kommentar, der Vorsitzende der Zentrumspartei habe “vor allem in der russischen Minderheit, die etwa ein Viertel der Bevölkerung ausmacht, viele Anhänger – konnte dies nun aber offenbar nicht in Stimmen umwandeln.” Er habe “auch viel Vertrauen [verspielt], als er im vergangenen Jahr nach Moskau reiste und die russische Annexion der Schwarzmeer-Halbinsel unterstützte.” Tja, die FAZ reklamiert ja in ihrer Werbung, “Dahinter” stecke immer “ein kluger Kopf”. Dahinter, nicht darin.


https://propagandamelder.wordpress.com/2015/03/02/propagandameldungen-vom-2-marz-2015/comment-page-1/#comment-4901

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