Wie schadet man Putin?
Eine merkwürdige Zeugin, Atai und eine ziemlich verwirrte Opposition

Auf Tagesschau.de der Artikel: „Nemzow-Begleitung äussert sich im TV“
http://www.tagesschau.de/ausland/nemzow-mord-101.html

Der Clip ist offenbar in der Tagesschau ausgestrahlt worden und ich glaub es noch immer nicht so ganz.

Da fragt man allen Ernstes, warum 3 Tage nach den Ereignissen, die Bilder der Überwachungskameras nicht veröffentlicht werden. Ich spar mir mal den Konter zum Funkverkehr von MH17. Aber könnte es sein, dass die Bilder erst mal ausgewertet werden müssen? Dass die aus ermittlungstechnischen Gründen noch nicht veröffentlich werden?

Frau Atai ist sich nicht zu schade, das faschistoide Geschwätz der Opposition wieder zu geben (wenigstens wissen wir, mit welcher Art von Opposition sie gesprochen hat):

Zitat: “der Mord trage kaukasische Züge”
Zitat Ende

Aber weil es noch nicht irre genug ist, legt man nach: die Opposition will die Ermordung von Nemzow gegen Putin nutzen. Aber offenbar weiss man noch nicht so genau, wie man das machen will. Daher kann man eine süffisant lächelnde Atai erleben, die dümmlich den Unsinn der “Opposition“ wiedergibt: die Ermordung Nemzows könnte ein Geschenk an Putin sein. Sie könnte aber auch eine Warnung an Putin sein. Das ist doch mal klasse, oder?

Bezüglich der Kameras erfahren wir, dass anonyme Quellen erklärten, diese hätten nicht funktioniert. Die Behörden allerdings nahmen Stellung und sagten: sie haben funktioniert. Atai, wieder mit diesem Grinsen, lässt sich darüber aus, dass die Zuständigkeit für die Kameras ungeklärt sei.

Der Abschluss-Kommentar ist klasse:

Zitat: „Danke für die Informationen und Interpretationen.”

Das ist Journalismus. Informationen (waren in dem Clip keine enthalten) und die „Interpretationen“. Ich wusste nicht, dass Interpretation Journalismus ist. Aber das Feine ist doch: das sind keine Interpretationen. Es sind Spekulationen. Und erbärmlich daran ist: es sind nicht mal die, der „Journalistin“ sondern diese käut nur die irren Theorien der nicht näher bezeichneten Opposition wieder.

Also wenn man sich schon dafür hergibt, einfach nur zu zitieren, dann sollte man doch wenigstens die Quelle näher bezeichnen.

Schön ist auch, was sonst noch folgt.

Hier mal das „best of“ aus dem Artikel.

Zitat: „Eine wichtige Zeugin des Mordes am russischen Oppositionellen Boris Nemzow hat sich erstmals öffentlich geäußert. “Ich habe nichts gesehen”, sagte die 23-jährige Anna Durizkaja dem unabhängigen russischen Fernsehsenders Doschd. “Ich drehte mich um und alles, was ich sah, war ein hellfarbenes Auto, als es weg fuhr.” Nach den Schüssen sei sie zu einem Schneepflug in der Nähe gegangen, um den Fahrer nach der örtlichen Notrufnummer zu fragen. Nachdem er ihr die Nummer gegeben habe, sei er weggefahren.”
Zitat Ende

Das ist schon mal sehr interessant. Eine Frau geht direkt neben einem Mann der erschossen wird und hat nichts gesehen. Warum auf dieser Brücke ein Schneepflug war, wo doch gar kein Schnee lag, weiss ich nicht. Vor allem liegt nahe, dass der Schneepflug womöglich mit in das Verbrechen verwickelt ist (also der Fahrer, nicht der Pflug), denn die Tat wird offenbar eben von genau diesem Pflug verdeckt.

Ausserdem frag ich mich, und bitte nicht falsch verstehen, ich find das für das Mädel ja klasse, aber warum wurde sie, als Zeugin nicht auch erledigt.

Warum eine Frau, die in Russland (sicher nicht zum ersten Mal) ist, die Notrufnummer nicht kennt, versteh ich auch nicht. Ich geh mal davon aus, dass diese, wie in Deutschland auch, überall zu finden ist und sie einem überall begegnet. Die 112 scheint mir nicht so kompliziert zu sein.

Warum sie nicht irgendwen vom Handy aus anrief, sondern nachdem wildfremde Menschen auf den Mann in ihrer Begleitung geschossen hatten, weitere wildfremde Menschen ansprach, versteh ich auch nicht so.

Da rennt eine Frau zu jemandem, sagt: mein Freund wurde erschossen, bitte geben sie mir die Notrufnummer und der Mann tut es und fährt einfach von dannen? Interessant.

Zitat: „Sie sei ausführlich von der Polizei befragt worden, erklärte Durizkaja dem Sender Doschd. Sie stehe nun unter Polizeischutz und könne nirgends ohne die Beamten hingehen. Vermutlich werde sie nicht an der Beerdigung Nemzows am Dienstag teilnehmen können.“
Zitat Ende

Mich wundert, dass die Frau überhaupt als einzige Zeugin dieses Verbrechens bereits irgendwo hin gehen kann. Ohne Beamten kann sie nirgendwo hin gehen. Sagt sie. Und der Nachsatz, dass sie vermutlich nicht an der Beerdigung ihres Freundes teilnehmen könne, impliziert, dass die Beamten sie davon abhalten könnten. Oder irgendwer von offizieller Seite sonst. Dass sie als Geliebte vermutlich bei der Beerdigung, bei der die Witwe sein wird, vermutlich nicht willkommen ist, scheint mir als Ursache für ihr Fernbleiben wahrscheinlicher, da die Behörden sie ja auch nicht davon abhielten, mit dem „unabhängigen Sender Doschd“ ein Interview zu führen.

Zitat: „Derzeit sei ihr einziger Wunsch, zu ihrer Mutter in die Ukraine zu fahren. Dies werde ihr von den Behörden aber nicht erlaubt.”
Zitat Ende

Böse Russen. Die Welt ruft nach Aufklärung. Aber die einzige Zeugin sollen sie in ein Land verschwinden lassen, dass sicherlich nicht unparteiisch ist?

Der Höhepunkt ist:

Zitat:“ Durizkajas Mutter appellierte an den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko und das Außenministerium, sich für die Rückkehr ihrer Tochter einzusetzen. “Sie ist unschuldig”, sagte Inna Durizkaja dem ukrainischen Sender 1+1. “Ich habe Angst, dass man sie des Mordes beschuldigt, einfach weil sie eine ukrainische Spur benötigen.” Die russischen Behörden könnten “alles erfinden”.
Zitat Ende

Da hat die Mama Angst um das Kind, weil die bösen russischen Behörden einfach alles erfinden könnten. Und das äussert sie dann mal einfach so, obwohl sich das Kind noch in der Obhut der bösen Russen befindet. Find ich persönlich spannend. Wenn ich Angst um mein Kind hätte, würde ich sicher nicht öffentlich jenen beleidigen, in dessen Händen das Schicksal meines Kindes liegt.

Weiter im Artikel darf man erfahren, dass der polnische Senatspräsident sich darüber beklagt, dass er nicht nach Russland einreisen darf. Wenn man den aktuellen anti-russischen Kurs der polnischen Regierung betrachtet, sollte man sich darüber nicht wirklich beschweren. Ausserdem finde ich es spannend, dass man offenbar Einreiseverbote für Russen in Massen aussprechen darf, wenn die Russen welche aussprechen, dann ist das ganz böse.

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