Das erste Opfer im Propaganda Krieg? Die Sprache!

Vorweg: die deutsche Sprache ist nicht wirklich schön. Aber in kaum einer Sprache kann man sich so präzise ausdrücken, wie es auf Deutsch möglich ist.

Davon ausgehend, dass die deutsche Sprache DAS Werkzeug eines deutschen Journalisten ist, sehe ich schwarz.
Denn offenbar ist es nun für Journalisten wichtig, mit Begriffen nur so um sich zu werfen und diese nicht weiter zu klären (der Unterschied zwischen Nationalisten und Rechtspopulisten z.B.), diese inflationär zu benutzen (Terrorismus) oder beliebig zwischen Begriffen hin und her zu springen (mal ein Rechter, mal ein Faschist, mal ein Nationalist).

Um die Verwirrung, die ich hier meine, aufzuzeigen, halte ich es für nötig, mich ausschliesslich einem Medium zu widmen. Sonst könnte man ja sagen: die tagesschau und der Spiegel definieren jeden Begriff eben anders. Die Medien haben eben kein gemeinsames Wording.
Gut. Ich betrachte tagesschau.de und stelle fest: es scheint nicht einmal ein haus-internes Wording zu geben.

Zu diesem Beitrag hat mich ein Artikel auf tagesschau.de verleitet:
http://www.tagesschau.de/ausland/departementswahlen-frankreich-101.html

Hier wird der Front National als „Rechtsextrem“ bezeichnet.

Ich habe keine Sympathien für den FN. Aber ich finde „rechtsextrem“ dann doch ein wenig… zu extrem. Vor allem im Vergleich zu den sonstigen Bezeichnungen.

Hier Beispiele:

Im o.g. genannten Artikel wird die Partei von Sarkozy als „konservativ“ bezeichnet.
Hier: http://www.tagesschau.de/ausland/romastreit100.html
wird allerdings seine mehr als fragwürdige Ausländer-Politik erwähnt, die der von Le Pen in nichts nachsteht.

im Artikel Nawalny – talentiert und gefährlich
http://www.tagesschau.de/ausland/russland804.html
ist die Rede davon, dass man ihn als „durchaus nationalistisch“ betrachten kann und dass seine Äusserungen „nationalistisch eingefärbt“ seien.
Da fällt mir spontan das Kakerlaken-Video ein. Und wenn ich das mit Le Pen vergleiche… naja.

Am 12.03.2014 wird die Swoboda als „rechtsextrem“ bezeichnet.
http://www.tagesschau.de/ausland/nationalistenkrim100.html
Am 14.10.2014 war die Swoboda nur noch eine „nationalistische Partei“
http://www.tagesschau.de/ausland/krawall-kiew-parlament-101.html
Die Schwesternpartei aus Deutschland, NPD, kommt nichts so gut weg, die wird als „rechtsextrem“ bezeichnet. Hier z.B.
https://www.tagesschau.de/inland/schwesig-npd-101.html

Die Verwirrung wurde sogar für den Autor des Artikels vom 25.10.2014 zuviel.
http://www.tagesschau.de/ausland/ukraine-wahl-123.html
Hier schreibt er einerseits, dass die Rechten eine „geringere Rolle als erwartet spielen“. Unter den Rechten werden dann auch die Swoboda und die „radikale Partei des Rechtspopulisten Ljaschko erwähnt.

Von der 3. stärksten Kraft des Landes heisst es, sie sei klar „pro-europäisch“.
Und hier kann man sich ein Bild über die Mitglieder dieser Partei machen:
http://samopomich.ua/en/priorities/defense/
In Kurzform:
Павло Кишкар – das ist Pavlo Kyshkar – Informations-Koordinator des Bataillon Donbass
Семен Семенченко – das ist Semenchenko – Gründer und Kommandeur des Bataillon Donbass
Über den 3. fand ich nicht viel heraus.

Also wer Nazi-Symbole trägt ist nicht unbedingt ein Nazi und kann total überzeugter Europäer sein.

Die Details zu dieser Partei folgten, weil die Tagesschau in diesem Artikel das Thema „die Faschisten haben in Kiew Macht“ wieder eindeutig in die Schublade „russische Propaganda“ schubbste.

So, bevor der Artikel hier zu lange wird, lass ich es dabei bewenden. Ich möchte nur anmerken: ich hab noch nicht mal mit den „Rechtspopulisten“ und den „Faschisten“ angefangen.

Für die Begriffe: Faschisten, Rechtspopulisten, Nationalisten, Nazis etc sollte es klare Definitionen geben. Ich persönlich habe das für mich geklärt. Aber fein wäre, wenn ein Medium wie die Tagesschau solche Begriffe eindeutig besetzen würde.

Denn liebe Tagesschau: wenn ich nicht weiss, was ein „Rechtsextremist“ für euch ist, dann kann ich natürlich auch nicht eure Empörung teilen, bzw. wäre vielleicht an anderer Stelle entspannter.

Allerdings habe ich das Gefühl, eure Definition für die gleiche politische Ausrichtung lautet:
Nationalist – nicht ganz so schlimm – das sind die, die auf unserer Seite sind
Rechtsextrem – ganz arg böse – in erster Linie die, die nicht auf Kurs sind.

Das heisst: die Propaganda-Maschine verwässert die deutsche Sprache und keiner merkts. Denn eines versprech ich; selbst wenn sich das alles erledigt hat, die Wischi-Waschi-Definitionen haben durch die Ukraine-Krise Einzug in den Journalismus gehalten. Wir werden sie nicht nur nicht mehr los, das wird alltäglicher Sprachgebrauch.

Und das wiederum ist für Politiker sehr fein: künftig können sie sich mit semantischen Spielchen herausreden. War doch gaaanz anders gemeint.


https://propagandamelder.wordpress.com/2015/03/23/propagandameldungen-vom-23-marz-2015/comment-page-1/#comment-7382

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