Heute ist die Griechenland-Berichterstattung irgendwie ganz anders als letzte Woche:

Severin Weiland und Philipp Wittrock vom Spiegel finden Tsipras plötzlich „cool“, Und Stefan Kuzmany schimpft Merkel eine „Rechthaberin“, und skizziert sie im Einleitungstext als Verkehrsrüpel. Wir sind zwar keinen Millimeter näher an einer journalistisch sauberen Arbeit, aber der Ton hat sich um 180° gedreht.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/griechenland-kommentar-zum-treffen-von-angela-merkel-und-alexis-tsipras-a-1024996.html

http://www.spiegel.de/politik/ausland/angela-merkel-und-alexis-tsipras-merkel-trifft-anti-merkel-a-1024440.html

Noch krasser ist der Schwenk der BLÖDzeitung, mit einem Artikel „50 Gründe, warum uns Griechenland lieb und teuer ist“ und enthüllen dazu eine  – wahrscheinlich uralte – Schmiergeld-Geschichte, an der deutsche Unternehmen beteiligt waren.

Auch Bela Anda, Kommentator in der Blöd, hat offenbar „mehrere Gläser Weichspüler “ verabreicht bekommen:

„Griechenland ist mehr als Finanz-Chaos und Milliarden-Schulden.
Griechenland ist ein schönes Land!
Mit Platon, Sokrates, Aristoteles brachte es uns die größten Philosophen.
Mit dem Satz des Pythagoras eine wesentliche Grundlage der Geometrie.
Daran sollten wir denken, wenn wir heute Griechenlands Premier in Berlin begrüßen. Und ihm zurufen: Willkommen in Deutschland, Herr Tsipras!“

Was ist passiert? Haben wir was verpasst?
War da was???

Ja. da war was.

Die berühmt-berüchtigte Frau Nuland war am Dienstag bei Tsipras und hat auch mit Aussenminister Kotzias und Verteidigungsminister Kammenos ausfuehrliche Gespraeche geführt.

„Assistant Secretary Nuland noted that the United States wants to see Greece emerge from its economic crisis stronger and more stable. She stressed that the United States wants to see prosperity and growth in Greece, and to see Greece “able to make a good deal with the institutions.”

http://norberthaering.de/index.php/de/27-german/news/310-brief-obama-2#weiterlesen

Am Donnerstag war ich schon bei einer Wortmeldung dieses einen Börsenheinis bei Illner aufmerksam geworden, als er den Grexit ausschloss, wegen einer ungeschützten Südostflanke, oder sowas, was nun in diesen heiklen Zeiten, mit der Ukrainekrise, für Washington nicht hinnehmbar sei. Auch bei Norbert Häring heißt es :

“ Im Gegensatz zu den Deutschen wissen die Amerikaner, dass die Fortsetzung der Troika-Politik weder Wohlstand noch Wachstum in Griechenland erzeugen kann und dass die NATO in der gegenwaertigen Spannungssituation  keinen „failed state“ an ihrer Suedflanke gebrauchen kann.“

Inzwischen hat auch Obama mit Merkel (der angeblich mächtigsten Frau der Welt) telefoniert und ein Machtwort gesprochen. Seither hat Schäuble anscheinend Stubenarrest.

Die menschenverachtende, krisenverschärfende, immer neue Hilfspakete erfordernde und von vorn bis hinten gescheiterte Austeritätspolitik ist also höchstwahrscheinlich vorbei. „Isch over“, sozusagen.

Letzte Woche gab es für den Antrag, 200 Mio für Lebensmittelmarken und Strom vor Zinszahlungen zu reservieren, noch eine dicke Ohrfeige. Dann schnippst Washington mit dem Finger und die Presse ist auf neuem Kurs: Aus „drohen wird warnen“ , aus „Grexit“ wird „3. Hilfspaket“, und Merkel ziert den Spiegeltitel mit einem Nazivergleich.

Insgesamt ein schönes Lehrstück über die Unabhängigkeit der Presse in einem souveränen Land.


https://propagandamelder.wordpress.com/2015/03/23/propagandameldungen-vom-23-marz-2015/comment-page-1/#comment-7435

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