Die Ukraine verschwindet aus den Hauptnachrichten

Und der Rest, der schreibt sich die Welt schön?

Poroschenkos „Kampf“ gegen einen OIigarchen mit Privatarmee ist bekannt. Wird in Deutschland gerne so dargestellt, als würde Poroschenko aufräumen.
Beim Spiegel klingt das so:
Zitat: „Kiew will nun gegen solche, nicht selten kriminellen Söldnertruppen vorgehen. Doch der Machtkampf destabilisiert die Region.“
Zitat Ende.

Auch die Welt will nicht nachstehen und schreibt:
http://www.welt.de/politik/ausland/article138717226/Obama-soll-Ukraine-mit-toedlichen-Waffen-helfen.html
Zitat: „Poroschenko will Freiwilligenbataillone unter Kontrolle bringen“

Der Informierte Leser fragte sich sicher: huch, so plötzlich?
Im letzten Jahr drohte der Rechte Sektor mit Marsch auf Kiew, falls man seinen Forderungen nicht nachgibt und das hatte nicht zu einem Umdenken geführt. Im Gegenteil. Poroschenko schwächte die eigene Position, indem er ausgerechnet einen Mann der Nationalgarde zum Verteidigungsminister machte und ihm somit die Befehlsgewalt über die regulären Truppen übergab.

Jetzt aber hat er Kolomoisky entlassen. Und tönt: „Bei uns wird kein Gouverneur seine Westentaschen-Armee haben.“
Hier:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-poroschenko-entlaesst-oligarch-kolomoiski-als-gouverneur-a-1025558.html
Klingt das nun so:
Zitat: „Welche Gefahr die Oligarchen-Truppen für den angeschlagenen Staat bedeuten, konnten die Ukrainer in den vergangenen Tagen im Fernsehen verfolgen. Bewaffnete Einheiten Kolomoiskis hatten die Zentralen der halbstaatliche Ölunternehmen Ukrnafta und Ukrtransnafta gestürmt und besetzt. Die Regierung hatte zuvor versucht, die Betriebe der Kontrolle des Oligarchen zu entreißen.“
Zitat Ende

Klingt erst mal nach Ordnung schaffen. Aber eigentlich geht es um Öl und Geld. Also gegen die Privatarmee hatte man eigentlich gar nichts. Und wird es auch weiterhin nicht haben. Denn man braucht die Oligarchen um die Truppen zu finanzieren. Aber die sollen sich brav im Osten austoben. Und auf keinen Fall auf die Idee kommen, die Macht in der Ukraine auszubauen, indem sie zum Beispiel die Ölkonzerne kontrollieren.

Und vor allem fragt man sich: jetzt mag er kein Gouverneur mit Privatarmee sein. Aber er ist doch immer noch ein Oligarch mit Privatarmee. Denn: wie will man ihm denn diese wegnehmen? Und vor allem: kann man das? 10 000 frustrierte und entlassene (ergo unbeschäftigte) und vor allem bewaffnete Radikale. Was macht man mit denen?

Der Spiegel teilt einem auch noch zwischen Suppe und Kartoffeln ganz beiläufig mit, dass die Zensur in der Ukraine ganz selbstverständlich ist:

Zitat:“Unter prorussisch gesinnten jungen Leuten in Dnjepropetrowsk, Charkiw und Odessa geht das regierungsfeindliche Kampfblatt „Novorossia“ (Neurussland) aus Donezk von Hand zu Hand. Auf den Vertrieb der von den Behörden als „separatistisch“ eingestuften Zeitung steht bis zu fünf Jahre Haft.“
Zitat Ende

Beiläufige Randnotiz. Hey. Die leben doch europäische Werte.

Die Wirtschaftswoche bewertet das Ganze dann doch nicht so, wie der Spiegel:
http://www.wiwo.de/politik/ausland/ukraine-machtkaempfe-in-kiew/11550912.html

Da wird nämlich knallhart abgerechnet. Vor allem, bezüglich der Milliarden, die nun an die Ukraine fliessen.
Und besonders erwähnenswert erscheint mir das Ende des Artikels:

Zitat:
„Erste Verträge über Waffenlieferungen hat Präsident Poroschenko bereits unterschrieben. Die Ukraine will Kriegsgerät aus den Vereinten Arabischen Emiraten (VAE) ordern, das könnten auch  Waffen sein, die möglicherweise von den USA zuvor in die Emirate geliefert wurden. Besonderes Interesse soll Kiew für die von den UAE angebotenen BGM-71-TOW-Panzerabwehrsysteme amerikanischer Herkunft zeigen. So lässt sich die Ukraine-Krise gewiss nicht lösen.“
Zitat Ende

Gut, das ist nun nicht so, dass man sich um die Menschen besorgt zeigt, aber das neo-liberale Herz setzt schon aus, bei der Vorstellung was das ukrainische Abenteuer kosten wird.

Dazu noch der Hinweis auf einen ältereren Artikel in der Zeit:
http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-03/ukraine-soldaten-usa-nationalgarde
Nazis werden also in die USA geschickt. Um „ausgebildet“ zu werden. Super.

Zitat:
„Die ukrainische Armee erhält militärische Hilfe: Nato-Mitglied USA schult Elitesoldaten für den Kampf gegen die Separatisten und liefert Panzerfahrzeuge.“
Zitat Ende

Während das Nein zu Waffen der EU in unserem Land bekannt gemacht wurde, erfährt man von den Lieferungen durch die USA und deren treuesten Verbündeten, wenn man danach sucht. Aber sicher nicht aus den Haupt-Nachrichten.

Und was machen die öffentlich rechtlichen Sender eigentlich?
Nun. Die ARD mit ihrem Portal tagesschau.de ist ganz im Flugabsturzfieber und veröffentlich jede Spekulation und füttert so die Verschwörungstheoretiker.

Und das ZDF ist richtig süss. Da wird wieder das Bild einer Revolution in der Ukraine belebt. Hach. Die Jugend war es. Und die fühlt sich von der EU im Stich gelassen.

http://www.heute.de/junge-ukrainer-die-uebersprungene-jugend-viele-fuehlen-sich-von-der-eu-im-stich-gelassen-37636462.html

Die Message ist eindeutig:
Mensch ihr deutschen Pazifisten. Seht her. Das ist ne ganz dolle interessierte und engagierte Jugend. Nun lasst die nicht hängen.

Und das sind auch ganz Liebe. Und Gebildete. Und die, von denen da berichtet wird, die sind auch ganz dolle repräsentativ. Ehrlich jetzt.

Zitat:
„heute.de: Abgesehen vom Einsatz für ihre Mitmenschen – wie gehen die jungen Ukrainer mit dem Krieg in ihrer Heimat um?

Speer: Sie verarbeiten ihn zum Beispiel in Kunst. Ich war tiefbeeindruckt von einer unabhängigen Ausstellung, die wir in Charkiw besucht haben. Im Keller eines Wohnblocks hatte eine Künstlerin Gegenstände aus den Kampfgebieten bemalt und in Kunstwerke verwandelt: Munitionskisten, Helme, sogar einen Raketenwerfer.“

Und schlussendlich wird ein neues ukrainisches Nationalgefühl gefeiert. Als sei die Ukraine erst jetzt zum Staat geworden.

Zitat:
„Ja, eindeutig. Die Ukraine ist auf dem Weg zu einem Patriotismus, den es vor dem Euromaidan in der Form nicht gab. Für viele steht die Revolution für die Geburt eines neuen Nationalgefühls.
heute.de: Keimt mit diesem Nationalgefühl auch neue Hoffnung auf?“

Zitat Ende.

Ja. Dann feiert mal schön. Die Gefahr, dass diese Jugend das gleiche Schicksal erleidet wie einst die Hitlerjugend, erkennt das ZDF nicht. Ich habe nichts gegen ein Nationalgefühl. Aber wenn das in den letzten Jahren nicht so entwickelt war, sollte man sich fragen, wie dieses Gefühl plötzlich generiert wird. Und ob da nicht eine Jugend hemmungslos missbraucht und instrumentalisiert wird.

Zum Schluss:

Gut, also in dem Artikel ist jetzt auch nicht die Rede davon, was mit den Jugendlichen passiert, die keine Lust auf Bürgerkrieg und ukrainischen Hurra-Patriotismus, der in erster Linie auf Russen-Hass basiert, haben. Wie die sich austauschen können. Man wagt es sich auch kaum vorzustellen.
Wenn bereits „brave“ Künstler sagen:

Zitat:
„Viele fühlen sich allein gelassen und zum Teil auch hilflos. Zum Beispiel ist es für viele schwer, überhaupt auszureisen. Die bürokratischen und finanziellen Hürden sind sehr hoch. Eine junge Künstlerin, die wir in Lwiw getroffen haben, hat uns gesagt: „Wir fühlen uns wie im Gefängnis.“

Zitat Ende

Tja. Ich bin sicher, systemkritische Jugendliche würde von ein paar bürokratischen und finanziellen Hürden träumen. Aber das interessiert die Jubel-Menschen des ZDF nicht.

Mein Fazit:

Aktuell muss man sich Narichten über die Ukraine zusammenklauben. Die Linie: „wir sehen alles positiv“ wird gehalten.
Sobald endlich das Flugzeug aus den Medien verschwunden ist (ich vermute wenn die Waffen geliefert sind, die Truppen in die Ukraine zurückgekehrt sind und es wieder los gehen kann) wird der Deutsche ganz überrascht sagen: wie, da war doch alles friedlich. Die bösen Russen halt, haben sich nicht an den Vertrag gehalten.

Und das wird relativ schnell passieren. Denn wenn nicht bald die „Armee“ mit dem Beschuss der eigenen Bevölkerung im Osten beschäftigt wird, dann wird sich der Bürgerkrieg in der ganzen Ukraine ausbreiten. Und dann kommt man in Erklärungsnot. Denn wenn Kiew durch einen internen Machtkampf brennt, hat man es schwer, das auch noch den Russen in die Schuhe zu schieben.


https://propagandamelder.wordpress.com/2015/03/29/propagandameldungen-vom-29-marz-2015/comment-page-1/#comment-8127

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