Gestern hatte ich mich ausführlich mit dem angeblich gefundenen Video über “die letzten Sekunden” des Germanwing-Flugs beschäftig, dass von “Bild” ganz großkotzig ausgeschlachtet wurde – nur die “Bild”-Redaktion und eine französische Zeitung hätten es gesehen, es sei “unzweifelhaft echt”, “ein wichtiges Beweisstück” und natürlich stütze es die von “Bild” seit Tagen präsentierte “Wahrheit”.
https://propagandamelder.wordpress.com/2015/04/01/propagandameldungen-vom-01-april-2015/comment-page-1/#comment-8594

Komischerweise kamen keine Reaktionen anderer Leser hier – hat mich ein bisschen gewundert.
Die französischen Behörden, die für die Absturzstelle zuständig sind, kennen das Video nicht, bezweifeln seine Existenz und fordern die Herausgabe. “Bild” erreichte mit dem Artikel sicher Millionen von Klicks und auch, dass sehr viele andere Medien die Story recht unkritisch übernahmen. Für mich riecht es gewaltig nach einer Rechtfertigung für die schamlosen Angriffe gegen Andreas L. und die Zurschaustellung von dessen Familie, für die “Bild” ja überall gerügt wird (und nochmal: Konsequenzen hat es trotzdem keine, deshalb werden sie es immer wieder so machen – weil sie es können, wie ja hier klipp und klar gesagt wird (siehe letzter Satz):
http://www.bild.de/news/standards/marion-horn/wer-die-wahrheit-sagt-braucht-ein-schnelles-pferd-40341942.bild.html

Heute hat “Bild” die Story vom angeblichen Video nochmal etwas anders gebracht. Aber es werden nach wie vor keinerlei Belege geliefert, und auch der Staatsanwaltschaft hat man es offenbar nicht übergeben.
http://www.bild.de/news/ausland/flug-4u9525/was-verraten-die-handys-von-der-unfall-stelle-40383184.bild.html

Sowohl die Polizei, als auch Staatsanwalt Robin erklärten, nichts von diesem speziellen Video zu wissen. „Wenn eine Person ein solches Video besitzen sollte, muss sie es umgehend den Ermittlern übergeben”, sagte Robin.

Schreibt “Bild”, tut es aber offenbar nicht.

„Es ist sehr wackelig, es ist sehr chaotisch. Aber es gibt einige Anhaltspunkte, die mit dem übereinstimmen, was wir bisher über den Absturz wissen“, schildert Reichelt.

Julian Reichelt kennen wir hier ja zur Genüge. Gestern klang das noch etwas anders:

Das Video stützt die Aussagen des französischen Staatsanwalts Brice Robin, der am vergangenen Donnerstag eine ausführliche Pressekonferenz gegeben hat.

Aber immer noch:

Obwohl die Szenerie an Bord chaotisch und völlig verwackelt ist und keine einzelnen Personen identifizierbar sind, ist die Echtheit des Videos unzweifelhaft.

Reichelt: „Wir sind uns sehr sicher.“

Und ganz typisch für das Verständnis von Ermittlungen bei “Bild” im Allgemeinen und Reichelt im Besonderen:

Interessant sei, dass die Ermittler erst jetzt darüber berichten, dass Mobiltelefone an der Unfallstelle gefunden wurden. „Das wussten wir zuvor nicht. Viele Ermittlungsergebnisse wurden der Öffentlichkeit zuerst nicht mitgeteilt“, erklärt Reichelt.

Na sowas aber auch. Bei MH17 findet “Bild” das Zurückhalten von Beweismitteln natürlich weniger schlimm. Bzw. da interessiert es “Bild” schon lange nicht mehr. Man kennt ja die “Wahrheit” seit dem ersten Tag, und man berichtet sie, weil man es kann.


https://propagandamelder.wordpress.com/2015/04/02/propagandameldungen-vom-02-april-2015/comment-page-1/#comment-8776

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