Zum Opferdiskurs trug der Maischbergertalk am 31.03.2015 mit dem Thema „Deutsche Schuld, deutsche Opfer“ in unerträglicher Art und Weise bei.

http://www.daserste.de/unterhaltung/talk/menschen-bei-maischberger/index.html

Schon die Auswahl der Gäste deutete auf die Tendenz der Sendung hin: Die Deutschen waren auch Opfer von Vergewaltigung, Verführung durch den Führer und haben aus der Geschichte gelernt. Einziger Lichtblick war Niklas Frank.

Sandra Maischberger präsentierte am Ende noch das Ergebnis einer Umfrage, nach der sich achtzig Prozent der Deutschen nach einem Schlussstrich sehnten.

Der Gast Guido Knopp durfte unhinterfragt behaupten, dass 1945 nur die Westdeutschen vom Hitlerfaschismus befreit wurden, die Ostdeutschen erst 1989 und dass er die Zahl der Nazitäter auf 500.000 beziffere. Die Deutschen empfanden es nicht als Befreiung vom Faschismus, sondern trauerten um ihren Führer, der leider versagt hat. Befreit wurden die überlebenden Insassen der KZs und der Folterkeller der Gestapo.

Zentral drehte sich die Diskussion mit den beiden weiblichen Talkgästen um die Vergewaltigung durch die Befreier, wobei das Buch der Historikerin Miriam Gebhardt zur Sprache kam, die über Vergewaltigungen durch britische und US-amerikanische Soldaten recherchiert hat.

Zu diesem Thema hat Ingrid Strobl in konkret 8/1992 einen passenden Text verfasst „Wann begann das Grauen?“ und sich mit dem Film der Autorinnen Barbara Johr und Helke Sander „Befreier und Befreite“ kritisch auseinandergesetzt.

Auszug Strobl-Text: „Es ist nicht zu leugnen, und es soll auch nicht geleugnet werden, daß Rotarmisten einzeln und/oder in Gruppen Massen von Frauen und Mädchen in den ehemaligen Ostgebieten und in Berlin vergewaltigt haben. Eine Vergewaltigung ist – als solche – eine Vergewaltigung, egal, ob sie von einem Russen, einem Amerikaner, einem Franzosen oder einem Deutschen begangen wird. Aber auch Vergewaltigungen spielen sich in einem bestimmten Kontext ab, und dieser muß dann thematisiert werden, wenn eine bestimmte Gruppe von Vergewaltigern und Vergewaltigten hervorgehoben werden soll.  Der Gesamtzusammenhang sind die unzählbaren und unvergleichlichen Greueltaten der Deutschen in den besetzten Ländern, und auch hier wieder speziell in Polen und in der UdSSR. Es geht nur darum, zu sagen: Wir erzählen erst einmal die ganze Geschichte, das, was Deutsche, also auch die Männer, Väter und Söhne der später vergewaltigten Frauen, in der UdSSR angerichtet haben. Schwangere Frauen in Belorußland wurden von den deutschen Besatzern mit allen anderen in die Scheune getrieben und lebendigen Leibes verbrannt. Jüdischen Frauen wurden die Säuglinge von der SS aus dem Arm gerissen, und dann wurden die Kinder vor den Augen der Mütter so lange mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen, bis nur noch ein Brei aus Blut und Gehirnmasse übrig war. Die Rotarmisten taten im eroberten Deutschland nichts dergleichen. Sie ermordeten keine Säuglinge, sie verbrannten nicht Menschen lebendigen Leibes, sie legten nicht systematisch Dörfer und Städte in Schutt und Asche, sie vernichteten nicht gezielt die Ernte und das Vieh der deutschen Bauern, und so weiter und so fort.

Beschlagnahmte deutsche Dokumente, 1946 bei den Nürnberger Prozessen vorgelegt, beweisen, daß von den deutschen Eroberern systematisch vergewaltigt wurde, um Terror zu verbreiten: polnische, jüdische und russische Frauen wurden vergewaltigt und in vielen Fällen grausam ermordet. Hunderte von Frauen und Mädchen wurden erbarmungslos verfolgt, in Wehrmachtsbordelle getrieben und dort zur Zwangsprostitution mißbraucht, zum sog. ›Vergnügungsdienst‹, oft Vorstufe zum administrativen Massenmord. “

Auch Maischberger fragt nicht, wann denn für die andere anwesende Frau die in ihrer Eigenschaft als Zeitzeuging und früheres Vergewaltigungsopfer (US-Soldaten) eingelasen war, das Grauen begann, ob schon damals, als sie in der Wochenschau sahen, was ihre Männer in anderen Ländern anrichteten, ob schon damals, als die jüdischen Nachbarn verschwanden, oder erst als sie selber von Bomben getroffen wurden und nichts mehr zu essen hatten.

Zum Opferdiskurs im neuen Jahrtausend schrieb Lars Disselhoff in der Jungle World einen sehr guten Aufsatz:

http://jungle-world.com/artikel/2011/06/42620.html


https://propagandamelder.wordpress.com/2015/04/10/propagandameldungen-vom-10-april-2015/comment-page-1/#comment-9329

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