Werbung für ukrainische Kriegsgefangenschaft.
Da ist nämlich alles Blümchen!

Spiegel TV Magazin, Ausgabe 21.06.2015, 22.40 Uhr, RTL

Erstes Opfer des Krieges ist die Wahrheit, wird da gleich mal festgestellt.
Allerdings ist klar, wer nach Spiegel die Wahrheit auf dem Gewissen hat.

Berichtet wird eigentlich von 3 Männern. Einem Ukrainer, der von den Separatisten gefangen genommen wurde.
Und den beiden russischen Armeeangehörigen, die sich aktuell in ukrainischer Gefangenschaft befinden.

Zum Ukrainer gibt es folgende Informationen:
Er heisst Oleg Komminych, ein Oberst eines „Luft und Lande Bataillons“.

Es werden Bilder gezeigt, auf denen man sieht, dass er von den Separatisten schlecht behandelt wird.
Erwähnt wird, dass ihm mehrere Zähne ausgeschlagen wurden.
Er sei fast gelyncht worden und knapp mit dem Leben davon gekommen.

Die Umstände seiner Gefangennahme werden nicht beleuchtet.

Spannend ist, dass man ihn dann noch zeigt, über die Strasse gehend und von fremden Menschen als Held begrüsst.
Ich habe zu diesem Mann nichts gefunden und wäre dankbar, wenn jemand, der des Ukrainischen mächtig ist, mal schauen könnte. Der Mann soll ein Held sein, der von Fremden erkannt wird, dann sollte sich ja auch was finden lassen.

Empört schildert Spiegel TV

Wie Kriegsgefangene werden die Soldaten von den Separatisten nicht behandelt.

So. Da frag ich mich natürlich spontan: wieso Kriegsgefangene? Da ist doch gar kein Krieg. Das ist doch nur eine ATO.
Wenn überhaupt sind das Kombattanten und welchen Status die haben, wissen wir doch inzwischen.

Aber man kriegt sich vor Empörung gar nicht mehr ein und beklagt das Schicksal des Mannes. Es wird dabei aus der Genfer Konvention zitiert, dass Kriegsgefangene u.a. nicht der öffentlichen Neugierde ausgesetzt werden dürfen. (weil man von ihm ein Handyvideo auf Youtube stellte).

Das finde ich wiederum sehr spannend. Wieso ist das dann was anders, wenn Spiegel TV die „Russen“ in ihren Zellen, in der Gefangenschaft filmt? Zustimmung der Leute? Die sind in Gefangenschaft, von freiem Willen ist man da im Allgemeinen weit entfernt.

Über die beiden hören wir: sie berichten freimütig, sie gehören zu einer Spezialeinheit – der Gru Speznas.
Und ihr Auftrag sei: asymmetrische Kriegsführung GENAU WIE AUF DER KRIM. Da hat es mir die Söckchen von den Füssen gerissen. Welche Kriegsführung auf der Krim? Kein Schuss gab es da.
Und wenn, wieso asymmetrisch? Da waren mehr als 20 000 Ukrainer stationiert.

Aber ich muss ja nicht alles verstehen.

Dazu passt noch der Kommentar:
Von Russland unterstützte Separatisten haben ein grosses Gebiet erobert.

Wie, Gebiet erobert? Ich dachte doch bisher echt, die Leute seien da in der Ostukraine zu Hause. So kann man sich irren.

Aber es geht spannend weiter:
Nach Erkenntnissen der ukrainischen Ermittler hatte die 14 köpfige Spezialeinheit eine Energieversorgung angreifen wollen. Und dabei seien 2 der hochausgebildeten Spezialisten gefangen genommen worden.
Alles klar?

Die beiden „russischen Spezialagenten“ oder was auch immer die sein mögen, befinden sich in Kiew, an einem geheimen Ort des Sicherheitsdienstes und nie zuvor durfte dort ein europäisches Team drehen. Ganz dolle stolz ist der Spiegel da. So stolz, dass er das auch noch mal erwähnt.

Falls sich jemand überwinden kann, sich diesen Kram anzusehen, möchte ich vor allem auf den 2. Mann aufmerksam machen.

Ein Kriegsgefangener. Ein Russe. In einer, sagen wir mal, den Russen nicht unbedingt zugeneigten Umgebung. Noch dazu nicht ein junger verwirrter Kerl, der sich von einer Propaganda verleitet irgendwem anschloss, sondern ein Mitglied einer russischen Spezialeinheit.

Und er liegt in Blumenbettwäsche, hat ein recht grosses gerahmtes Photo von sich und einer Frau auf dem Tisch stehen (was Spezialeinheiten so alles mit sich rumtragen, ist schon klasse) und auf dem Tisch stehen auch kleine Ikonen.

Das kam den Spiegel TV Leuten nicht, nun, ein wenig ungewöhnlich, vor?
Scheinbar nicht.

Das Bild ist perfekt: die Ukrainer behandeln Kriegsgefangene wie Hotelgäste und die Separatisten sind grausame Bestien, jenseits der Menschlichkeit.

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