Wladimir Putin – Sein wahres Gesicht

Sendung vom 04.08.2015, 22 Uhr 10 auf N-TV

Der von der Propaganda wachsam geschossene Medienkonsument weiss, was zu erwarten ist. Die Titel „die ganze Wahrheit über…“ oder „wie er wirklich ist“ oder eben wie in diesem Fall „Sein wahres Gesicht“ implizieren bereits unseriösen Journalismus. Denn dieser Anspruch, die „Wahrheit“ zu kennen und sie nun dem Publikum zu enthüllen, ist nichts weiter als ein Schwelgen in der eigenen vermeintlichen Bedeutsamkeit.

Und richtig: alles was das Propaganda-Handwerk braucht, findet sich:
Messen mit zweierlei Mass
Objektive Kommentatoren, die bei Überprüfung, dann doch nicht so objektiv sind.
Generelle Formulierungen, ohne die Nennung von Details
Fakten schaffen, durch Weglassen von Informationen.
Klischees.

Die Sendung beginnt mit den Bildern von Putin auf dem Weg zur Amtseinführung. Es wird bemerkt:
Die Stadt wirkt wie ausgestorben. Sicherheitskräfte haben weite Teile der Stadt abgesperrt.
Spontan dachte ich mir: das ist wahrscheinlich kostengünstiger, als der Sicherheitsaufwand, der betrieben wird, wenn der US Präsident sich irgendwo zeigt.

Wer darf sich u.a. äussern? Die Bezeichnung aus dem Film nenne ich zuerst, in Klammern setze ich die Infos, die ich fand:

Lilija Schwezowa Politikwissenschaftlerin
(NGO Carnegie Zentrum)

Gleb Pawlowski Politikwissenschaftler
(war auf Kreml Kurs, forderte eine Wiederwahl von Medwedew, verlor daraufhin seinen Posten bei der Präsidialverwaltung und ist seit dem ein Regierungsgegner)

Yakov Krotov Historiker
(arbeitet für Radio Free Europe, also Radio Liberty, finanziert vom US Aussenministerium)

Genadi Gudkow Politiker
(studierte Englisch, war beim KGB, war Abgeordneter und verlor sein Mandat, weil er sein Amt missbrauchte, um seinem Unternehmen Vorteile zu verschaffen).

Yuri Samodurow
(NGO: Sacharow Zentrum)

Kirill Rogov Wissenschaftler
(NGO: European Council on foreign relations)
Lew Gudkow Soziologe
(Lewada Zentrum, vom Westen anerkannte NGO, Umfrage Institut)

Zusammengefasst, und ich bitte die Formulierung zu entschuldigen: entweder Leute in NGOs aktiv sind oder aber angepisst sind.

Zahlenspielchen:

Es wird gefragt:
Es gab Demonstrationen wegen „Wahlbetruges“.
Wie konnte es so weit kommen, warum rebelliert ein Teil der russischen Bevölkerung?

Wie gross der Teil ist?
Das wird nebenbei (später im Bericht) unfreiwillig klar gestellt:
Man dürfe nicht vergessen: Ein Teil der Bevölkerung steht hinter den Gesetzen. Und im folgenden Satz wird dann eigentlich die ganze Sendung nebenbei relativiert: es handelt sich um 74%. Das soll aber niemanden davon abhalten, den Eindruck zu gewinnen, dass die 26% die sind, die richtig liegen.

Weiter:
Die Opposition wird unterdrückt, man will verhindern, dass die Demonstranten sich durchsetzen können. Wie viele? Fehlanzeige. Was sie durchsetzen wollen? Bleibt auch im Verborgenen.

Wegen der Verfassungsänderung (Verlängerung der Amtszeit des Präsidenten) gab es Proteste. Wer und wie viele? Nein, auch hier nicht. Zu sehen waren allerdings 3 Reihen Demonstranten und Kasparow, in einer 11 Millionen Stadt wahrlich nicht wirklich beeindruckend. Und eine Dame erwähnt dann doch einmal 20 000 Demonstranten in Moskau.

Ansonsten geht es weiter mit:
„Viele Demonstranten“, „sehr viele Demonstranten“, „zig Tausende in Moskau“
„Unzählige Verhaftungen“, „viele Menschen“ protestieren.

Wer demonstriert?
Es sind Liberale, Demokraten, Bolschewiken und Menschenrechtler, (keine Erwähnung der Faschisten obwohl Nawalny oft zu sehen ist).

Die gleiche Methodik, unliebsame Fakten einfach weg zu lassen, wird auch beim Thema NGOs angewandt.
Das „kritische Gesetz“: richte sich gegen: Wahlbeobachter, Friedensaktivisten, Umweltschützer.
Dass diese Gruppierungen zwar betroffen sind, aber nicht das Ziel, das wird nicht erwähnt. Wieder wird der Irrglaube befeuert, NGOs, das sind humanitäre Vereine. Damit auch wirklich niemand auf die Idee kommt, dass es sich bei NGOs um Interessensvertretungen ausländischer Politik handeln könnte, die direkt Einfluss auf die Innenpolitik eines souveränen Staates nehmen wollen.

Zur „Opposition“:

Kasparov sollte erklären, warum er einen Polizeibeamten in den Finger biss. Daraufhin floh er aus Russland.
Es wird allerdings nicht geklärt, ob es diesen Biss gab oder nicht.

Noch die übliche Dosis Nawalny und Pussy, und das war es.

Was erfahren wir eigentlich über Putin, denn eigentlich sollte es ja um sein Gesicht gehen.

Natürlich:
Der ehemalige KGBler
Man merkt Putin seine KGB Vergangenheit an

Es wird berichtet:
Als Georgien Südossetien bombardierte (sic!), handelte Medwedew nicht. Putin nutzte die Gelegenheit. Es wird dann aber noch bemerkt, eigentlich Putin war Putin als Ministerpräsident operationsverantwortlich. Ja wie nun? Es ist sein Job, und wenn er ihn macht, dann „nutzt er eine Gelegenheit“?

Sotschi war für Putin nichts weiter als die Gelegenheit, der Welt zu zeigen, wie stark Russland ist.

Putin übt sich in Zuckerbrot und Peitsche.

Etwas mager? Naja. Seien Sie nicht so streng:

Eine Minute vor Ende der Sendung wird die Frage gestellt, was treibt Putin an.
Geht es ihm um Geld? Sein Gehalt wird erwähnt, und dann süffisant bemerkt: seine sehr teure Uhr spräche eine andere Sprache.
Ob er die vielleicht geschenkt bekommen hat? Von einem Staatschef? Einem Unternehmer? Seine Milliarden seien zwar dank der britischen Presse bekannt, aber nicht nachvollziehbar.

Also: Trallalla.

Putin geht es um die Macht. Und damit endet die Sendung. Und ich such noch immer das Gesicht!


https://propagandamelder.wordpress.com/2015/08/05/propagandameldungen-vom-05-august-2015/comment-page-1/#comment-24340

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