TTIP und Gefängnisse, Werte und Gewinne
Warum das Abkommen wirklich eine sehr schlechte Idee ist!

Auslöser für diesen Artikel war ein Beitrag der Tagesschau
„Ärger über TTIP-Verhandlungen: Lammert macht Druck in Brüssel“
http://www.tagesschau.de/ttip-175.html

Zitat:
„Im Streit um Transparenz bei den TTIP-Verhandlungen macht nun Bundestagspräsident Lammert Druck bei der EU. Viele Parlamentarier sind verärgert, sie bekommen keinen Zugang zu TTIP-Dokumenten. Lammert wird kommende Woche mit EU-Kommissionspräsident Juncker sprechen.”
Zitat Ende

Das brachte meinen Blutdruck in Wallung. Denn was will der Mann mit Juncker sprechen. Wenn Merkel, Gabriel und Co mal wieder den Weg in den Bundestag finden, sitzen doch die Schuldigen an der Geheimnis-Krämerei direkt vor seiner Nase. Immerhin sind das die Befürworter. Die Vorkämpfer, die eben mitverantwortlich für die Geheimabkommen sind.

Und so endete ich bei diesem Thema:

Man erzählt uns: beide Wirtschaften (EU und USA) würden gewinnen.
Gut, wer denken kann, glaubt das sowieso nicht.

Aber wie kann man ein Freihandelsabkommen mit einer Nation schliessen, wenn eine Partei einen massiven Wettbewerbsvorteil hat? Bzw. zu den gleichen Mitteln greifen muss, um wettbewerbsfähig zu sein?
Gut, das ist nur Geld. Aber mit diesem Wettbewerbsvorteil geht eine Untergrabung der Sicherheit einher, die man dem potenziellen europäischen Kunden vermutlich nicht mitteilen wird.

Call Center sind der Motor aller Dienstleister. Seien es Telekommunikations-Unternehmen, Fluggesellschaften, Reisebüros, Service-Hotlines etc.
Ja, was haben wir alle darüber gelacht, dass der US Bürger ein Callcenter anruft und dann mit einem Menschen in Indien spricht.

Aber Outsourcing nach Indien war gestern. Man hat eine noch viel billigere Methode gefunden.

Heute wird die Arbeit in die Heimat geholt. Schön. Naja, nicht so ganz. Denn die Callcenter befinden sich nun in Haftanstalten.
Das Ganze nennt sich: „Federal Prison Industries“.
Dh. Sie buchen Ihre Reise bei einem Kriminellen. Der dadurch genau weiss, wann Sie nicht mehr zu Hause sind (klasse Info für die Buddies der Gang draussen), ob Sie wohlhabend sind (ein armer Schlucker bucht selten eine Weltreise), hat Zugang zu Ihren Kreditkarteninformationen und ihren weiteren persönlichen Daten.

Die Fluggesellschaft TWA bezahlt pro Stunde pro „Mitarbeiter“ $ 5,39. Von diesem Stundenlohn geht etwa die Hälfte an den Häftling, der Rest wird verwendet, um Verbrechensopfer zu entschädigen und um die Gefängniskosten zu tragen.

Firmen-Beispiele: Verizon (Mobilfunk), BP, TWA (Fluggesellschaft), AVIS (Mietwagen) etc etc
Unternehmensbereiche: Lebensmittelhersteller, Dienstleister, Telekommunikation,

Schön ist daran: Der Mindestlohn liegt im Durchschnitt bei $ 7,35.

Aber das ist nicht alles. Weitere Vorteile: Streikrisiko? Gleich null. Auseinandersetzungen mit Gewerkschaften? Gibt es nicht. Sonderleistungen wie Altersvorsorge um als Arbeitgeber attraktiv zu sein? Unnötig. Urlaube, Krankheiten, Verrentung? Interessiert nicht, gibt’s nicht.
Man muss nicht einmal mehr Büroräume mieten.
An diesem System hängt ein ganzer Rattenschwanz an unternehmerischem Einsparpotenzial. Da ist der niedrige Stundenlohn noch das Geringste.

Das bedeutet schon mal: ausländische Serviceanbieter haben erheblich höhere Lohnkosten und können damit schon gar nicht wettbewerbsfähig sein.

Es sei denn, EU Unternehmen erhalten ebenfalls Zugang zu diesen Arbeitskräften. Dann stellt sich natürlich die Frage nach der Sicherheit. Denn warum nicht komplette Call-Center in die USA auslagern, wenn man schon dabei ist?

Und das wird dann Arbeitsplätze in Europa kosten!

Interessant an diesem Outsourcing ist für mich: wenn sich jemand, der wegen Betruges, Unterschlagung, Diebstahl verurteilt wurde, nach der Entlassung bei einem Call-Center bewerben würde, hätte er vermutlich keine Chance auf Anstellung.
Wegen der „sensiblen“ Daten, auf die er zugreifen könnte.

Und übrigens hindert niemand die Hersteller von Lebensmittel daran, auf die Produkte der Ausbeutung von Gefängnisinsassen das Label „Fair Trade“ aufzukleben.

Und wie man es mit dem Wertesystem vereinbaren kann, dass auch ein Unternehmen wie BP auf Strafgefangene zurückgreift, wenn es um die Beseitigung der Schweinerei geht, die die Deep-Water-Horizon verursacht hat, frage ich mich ernsthaft, wenn man die „Arbeitsbedingungen“ der Häftlinge mal betrachtet, und deren „Gehalt“ und der Druck, der auf sie ausgeübt wird, damit sie sich „freiwillig“ zu dieser Arbeit melden.

Übrigens habe ich nichts dagegen, wenn Insassen einer Haftanstalt arbeiten. In Russland gibt es ein Gefängnis, da nähen die Strafgefangenen die Uniformen fürs Wachpersonal. Find ich gut. Ich bin der Meinung, dass Strafgefangene Sache des Staates sind und wenn sie arbeiten, dann eben auch für den Staat (oder staatseigene Unternehmen). Aber definitiv ist es falsch, wenn Strafgefangene für die Privatwirtschaft ausgebeutet werden!

Aber hey! Der für die Wirtschaft zuständige Posaunenengel wird mir erklären: ich bin da nur hysterisch und versteh überhaupt nicht, worum es geht!

Und warum das eine Propaganda-Meldung ist?
TTIP Kritiker müssen sich beschimpfen lassen, die Verhandlungen werden im Geheimen geführt und die Medien greifen das ab und an auf, aber ansonsten lebt man damit. Kritik die vernommen wird, wird beiseite gewischt und über die o.g. Sachverhalte, da muss man sich schon selbst informieren. Sonst könnte die Schafsherde dem heiligen Gral der Wachstumslüge plötzlich mit Skepsis begegnen!

(Quellen:
https://www.prisonlegalnews.org/news/2011/mar/15/prisoner-labor-used-to-clean-up-bp-oil-spill/
und
RT Watching the Hawks: America’s Prison Labor system
Und
http://www.nytimes.com/1997/11/09/travel/practical-traveler-when-an-inmate-books-the-ticket.html
Und
http://www.motherjones.com/politics/2008/07/what-do-prisoners-make-victorias-secret )


https://propagandamelder.wordpress.com/2015/09/13/propagandameldungen-vom-13-september-2015/comment-page-1/#comment-28675

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