Bereits der Titel:
„Russisches Syrien-Abenteuer: Das Ende der alten Weltordnung“
lässt nichts Gutes ahnen.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/russland-und-syrien-das-rezept-gegen-putins-imperialismus-a-1057162.html
Vorab: dieser Artikel geht weit über die Russlandhetze und „die Russen kommen“ hinaus. Er offenbart die Welt, in der unsere Politiker und unsere Medienvertreter leben.
Eine Welt, die nichts mit der Realität zu tun hat, die man sich in Pipi Langstrumpf Manier so malt, wie sie einem gefällt. Bzw. wie man diese anderen und weitergehend sich selbst, als Diener derselben erträglich redet.
Zitat:
„Es gibt keine pax americana mehr, keine von Amerika durchgesetzte und garantierte Ordnung. Putin hat dabei bloß die Rolle des Zerstörers übernommen.“
Zitat Ende
So… und jetzt setzen wir uns mal in ein Flugzeug und erzählen den Menschen im Irak, Afghanistan, Libyen etc… dass sie in einer von den USA „garantierter Ordnung“ leben.
Vielleicht sollten es diejenigen, die nicht gesteinigt werden wollen auch besser sein lassen.
Die Welt war so schön und so friedlich, dank der Amerikaner… und dann haben die Russen das alles kaputt gemacht.
So einfach kann Weltpolitik sein.
Zitat:
„Mantraartig war in den Monaten nach Putins Annexion der Krim und seiner massiven Unterstützung für prorussische Separatisten in der Ostukraine davon die Rede, dass Russland international isoliert sei. “
Zitat Ende
Daran erinnere ich mich auch! Und jeder der sagte: Leute, schaut doch mal hin, man kann Russland nicht isolieren und es gibt reichlich Staaten, die überhaupt kein Interesse daran haben, sich von Russland abzuwenden. Da wurde man dann schon mal als Kremltroll beschimpft.
Aber leider, lieber Spiegel erinnere ich mich auch daran:
Zitat:
„Auf die Geschichtseinlage folgte die Demonstration der Moskauer These, dass Russland heute nicht völlig isoliert sei.“
Zitat Ende
(ein Artikel zur Parade am 9. Mai 2015)
Da wurde die Annahme, dass Russland nicht „völlig isoliert“ ist, als These der Russen abgetan.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/russland-weltkriegsparade-in-moskau-a-1032990.html
oder auch hieran:
Zitat:
„Da ist sie wieder, die Utopie von der besten aller Welten. Ganz klar: Wer sich auf diese Weise selbst isoliert, findet kaum noch Freunde in der Welt, der muss am Ende auf Nationalisten, Neonazis und Antisemiten setzen.“
Zitat Ende
Da wurde dann klar: jeder, der sich nicht von Russland abwendet ist also ein Nationalist, Neonazi, Antisemit. Alle anderen, die machen mit, bei der Isolation Ruslands.
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-132909524.html
Und daran:
Zitat:
„Moskau – Außenpolitisch ist Russland isoliert, innenpolitisch leidet das Land unter einem schwachen Rubel und einer kriselnden Wirtschaft. “
Zitat Ende
http://www.spiegel.de/politik/ausland/trotz-ukraine-krise-wladimir-putin-in-russland-sehr-beliebt-a-1026042.html
Ich erinnere mich noch an viel mehr, aber ich denke, das reicht dann mal. Und dieser Beitrag in eurem Blättchen hat so viel zu bieten:
Zitat:
„Die Weltpolitik aber ist lange schon nicht mehr eurozentriert, und auch Amerika hat spätestens unter Obama seine Position als weltweite Ordnungsmacht verloren und aufgegeben.“
Zitat Ende
Genau. Die USA haben die Position als weltweite Ordnungsmacht aufgegeben.
Zum Beispiel mit dem Satz:
„Amerika muss auf der Weltbühne immer führen. Wenn wir es nicht tun, tut es kein anderer“, sagte Obama bei seiner Rede vor dem Abschlussjahrgang der Militärakademie West Point im US-Bundesstaat New York.“
(Spiegelartikel vom 28.05.2015 http://www.spiegel.de/politik/ausland/obama-bekraeftigt-fuehrungsanspruch-der-usa-bei-rede-in-west-point-a-972287.html)
Verloren und aufgegeben? Süss. Ich würde das ja anders formulieren. Aber ich bin ja auch ein Kreml-Troll. Ich sage: die USA krallen sich mit ihren Nägeln in das Fleisch der Welt und wollen es nicht loslassen, auch um den Preis, diese Welt zu zerstören.
Die USA haben versagt. So ist das. Sie kamen, sie sahen und die Menschen starben reihenweise. Und deshalb schielen auch viele in Richtung Russland. Nicht weil sie eine neue „Schutzmacht“ oder einen neuen „Weltpolitzisten“ wollen. Sondern weil sie aus der würgenden Umarmung der USA herauswollen.
Und dann wird auch erklärt, warum die Regierung sich keine Sorgen machen muss (BRD, EU und was weiss ich noch). Es gibt eine Rettung:
Zitate:
„Sie sollten sich an ein Rezept aus dem ersten Kalten Krieg erinnern: den Helsinki-Prozess.“
und
„Deshalb einigten sich 1975 die europäischen Staaten, Amerika und Kanada nach zähen, jahrelangen Verhandlungen auf die Unverletzbarkeit der Grenzen, die Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten und auf die Achtung von Mindeststandards bei Menschenrechten. Die Teilnehmer der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa unterschrieben die Schlussakte von Helsinki. Sie machte Europa sicherer und – als Langzeitfolge – auch freier.“
Zitat Ende
Ist das nicht herzig. Ja, da hat man aber ganz arg hübsche Sachen entschieden. „Mindeststandards bei Menschenrechten“, „Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten“… Hat ja super funktioniert, diese Helsinki Akte. Vor allem wenn man an einen der Unterzeichner, die USA denkt.
Also: Die USA unterzeichneten dieses Teil, sie verstiessen dagegen und heute brauchen wir wieder so einen Vertrag, den die USA dann auch wieder unterschreiben… und dann wird alles gut. Ich bin hin und weg!
Und auch wenn die Brille des Spiegels stark transatlantisch gefärbt ist, irgendwo sieht man doch noch: womöglich ist nicht nur Russland der Verursacher all der Probleme, vielleicht sogar die Nato Osterweiterung.
Aber… ganz im US Sinne: let bygones be bygones:
Zitat: „Viel wichtiger aber ist, nach vorne zu schauen. Die alten Sicherheitsstrukturen aus dem vergangenen Jahrhundert taugen nicht mehr. “
Zitat Ende
Genau. Egal was dazu geführt hat, dass der Karren im Dreck gelandet ist, jetzt schauen wir nach vorne, bauen einen neuen.
Problematisch ist das in meinen Augen schon, aber ich neige leider zum Realismus: wenn man dann mit dem neuen Karren den gleichen Weg entlang kurvt, weil wir uns nicht damit aufhalten wollen, warum der alte im Dreck gelandet war, dann landet man eben genau wieder da: im Dreck!
Jetzt, genau jetzt ist es an der Zeit inne zu halten und sich über die Fehler der Vergangenheit Gedanken zu machen. Diese zu erkennen und alles zu tun, um diese zu vermeiden!
Aber man schaut so gerne in des Nachbars Garten und regt sich darüber auf, dass der Lümmel seinen Rasen seit 2 Wochen nicht mehr gemäht hat. Das macht man am liebsten vom Fenster des 2. OGs aus. Da kann man ganz elegant über die Müllhalde, die mal der eigene Garten war, hinwegsehen.
Zitat:
„Der Krieg in der Ukraine und das russische Abenteuer in Syrien sind die Folge dieses Versagens.“
Zitat Ende
Das russische Abenteuer in Syrien.
Aha.
Von einem Abenteuer hat aber vor einem Jahr keiner gesprochen, als die USA mal anfingen, den IS zu bombardieren.
Und das, obwohl:
Zitat:
„US-Präsident Obama hatte zu Beginn des Krieges gegen den IS eingeräumt, er habe noch keine Strategie, wie man die Terrormiliz bekämpfen kann. “
Zitat Ende
http://www.deutschlandfunk.de/ein-jahr-us-luftangriffe-gegen-den-is-der-unsichtbare-krieg.724.de.html?dram:article_id=327641
Zusammengefasst: der eine fängt mal an zu bomben, hat aber überhaupt keine Strategie, wie man den Gegner besiegen kann. Das ist richtig. Das ist .. was auch immer.
Der andere entscheidet: wir starten Luftschläge, die ohne Bodentruppen keinen Erfolg haben können und deshalb koordinieren wir das mit den Truppen der Armee Syriens, damit der IS endlich besiegt werden kann, und das ist dann ein „Abenteuer“.
Und dann noch das Geschwafel vom „russischen Imperialismus“ in dem Artikel des Spiegels. Die USA sitzen überall. Man hat der Kolonialisierung eine moderne Verpackung verpasst und nennt sie nun „Globalisierung“. Die Untertanen dürfen sich wenigstens noch ein wenig bedeutsam fühlen, indem man sich als „Wertegemeinschaft“ bezeichnet. Und wenn ein Land aus der Reihe tanzt, dann muss es damit leben, dass der US Kongress entscheidet, dass die Regierung des eigenen Landes abgesetzt wird
Die Russen wollen einfach nur Russen in Russland sein und den Präsidenten wählen, den sie wollen und nicht den, den andere Staaten gerne hätten. In einem souveränen Russland, das die eigenen Interessen vertritt und sich gegen den Totalausverkauf an westliche Heuschrecken wehrt.
Und das macht sie zu Imperialisten.
Es mag ja sein, dass der Spiegel in Deutschland seinen Sitz hat, aber ich habe das Gefühl, er befindet sich auf einem anderen Planeten!
Spiegel ist eine Gründung der CIA und diesem Geheimdienst verpflichtet.
Ob es aber wie in der Springerpressen eine Dienstanweisung gibt die von dem Mitarbeitern unterschrieben werden muss( Negatives über Israel und die USA kann zur sofortigen Kündigung führen) kann ich nicht sagen, doch der Chefredakteur kann solche Artikel verweigern oder ändern lassen.
Hierzu das Zitat des John Swinton ehemaliger Herausgeber der NEW YORK TIMES
1880
»Eine freie Presse gibt es nicht. Sie, liebe Freunde wissen das, und ich
weiss es gleichfalls. Nicht ein einziger unter Ihnen würde es wagen, seine
Meinung ehrlich und offen zu sagen. Das Gewerbe eines Publizisten ist es
vielmehr, die Wahrheit zu zerstören, geradezu zu lügen, zu verdrehen, zu
verleumden, zu Füssen des Mammon zu kuschen und sich selbst und seine Rasse
um des täglichen Brotes willen wieder und wieder zu verkaufen. Wir sind
Werkzeuge und Hörige der Finanzgewalten hinter den Kulissen. Wir sind die
Marionetten, die hüpfen und tanzen, wenn sie am Draht ziehen. Unser Können,
unsere Fähigkeiten und selbst unser Leben gehören diesen Männern. Wir sind
nichts als intellektuelle Prostituierte.«
Die USA sind halt schon früh fortschrittlich gewesen!
Hat dies auf deutsch769 rebloggt.
Was dieses Propaganda-Drecks- und Hetzblatt schreibt, nehme ich schon seit 20 Jahren nicht mehr ernst. Immer mehr sehen das auch so. Je weniger Leute diese Schmierenjournaillie mit dem Kauf dieser minderwertigen Publikationen unterstützen, desto schneller verschwinden diese in der Bedeutungslosigkeit.
Bald nimmt niemand mehr die Nachrichten ernst, so wie in der Endphase der DDR keiner mehr das DDR-Fernsehen sah.
Sie urteilen zu streng, liebe Petra. Der Artikel zeigt doch immerhin viele Ansätze von Einsicht. Und wenn man die Überschrift ein wenig abwandelt, dann stimmt sie sogar: „Das Ende der Neuen Weltordnung“ (nicht der alten). Das meine ich jetzt gar nicht ironisch, auch wenn es sich natürlich trotzdem um Propaganda handelt. Sie soll den Leser mit dem Gedanken vertraut machen, daß USA und Nato im Begriff stehen, zu verlieren. Das ist allemal besser als die bisherige Kriegspropaganda und ein erfreuliches Zeichen.
Tja, das Versagen der USA. Haben die USA wirklich „versagt“? Oder ist es nicht vielmehr Konzept der USA, dieses „Versagen“? Das Land so unbewohnbar zu machen bzw. machen zu lassen, dass die USA es dann ohne Gegenwehr einnehmen können? Und wenn man darauf kommt, dass die USA hier keinesfalls „versagt“ haben, dann versteht man auch erst ihre aggressiven Reaktionen auf Putins Aktivitäten in Syrien, sonst müssten sie doch sehr zufrieden sein, dass Putin „ihren Feind“ bekämpft. Die USA wollten sich ihre Drecksarbeit durch ISIS erledigen lassen, nämlich den regime change in Syrien, das ist das ganze Geheimnis ihres „Versagens“.
Was du hier schreibst, Petra, ist sehr scharfsinnig beobachtet, aber es trifft nicht den Kern des Ganzen: nämlich den regime change. Nur darum geht es den USA.
Übrigens, den Spiegel auseinanderzunehmen ist eine überflüssige Arbeit, der redet um das wirkliche Problem herum, um die tödlichen Machenschaften der USA in dieser Region den Blicken der deutschen Leser zu vernebeln, das ist der Sinn dieses Artikels. Ob er nun in einzelnen Punkten recht oder unrecht hat, darauf kann man pfeifen. Meiner Ansicht nach hätte das stärker herausgearbeitet werden müssen.
Aber du hast dir sehr viel Mühe gegeben, dieses Lügengewirr zu entwirren, aber es fehlt eben doch ein wenig der Blick auf die US-Prämisse.
Nene… da haben Sie was verpasst^^
Hier:
Zitat:
„Und dann noch das Geschwafel vom “russischen Imperialismus” in dem Artikel des Spiegels. Die USA sitzen überall. Man hat der Kolonialisierung eine moderne Verpackung verpasst und nennt sie nun “Globalisierung”. Die Untertanen dürfen sich wenigstens noch ein wenig bedeutsam fühlen, indem man sich als “Wertegemeinschaft” bezeichnet. Und wenn ein Land aus der Reihe tanzt, dann muss es damit leben, dass der US Kongress entscheidet, dass die Regierung des eigenen Landes abgesetzt wird“
Da hab ich das als Wurzel (nicht persönlich nehmen^^) des Übels durchaus angemerkt.
@ Petra
Na, jut. Bin ja nicht so, im weiteren Sinne akzeptiert.