Ich helf dann mal der Merkel auf die Sprünge

In der Stuttgarter Zeitung findet sich der Artikel „Angela Merkel – ratlos“
http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.naechtliche-pressekonferenz-in-bruessel-angela-merkel-ratlos.8ab2c8c6-77d5-4c92-a205-aa2185d4aa0a.html

Dieser Artikel lässt mich nun ratlos zurück.
Denn da wird Merkel zitiert:
Zitat:
„Aus bestimmten Gründen, die ich noch nicht ganz genau verstehe“, so Merkel, lehnten die osteuropäischen Staaten noch immer eine gerechtere Lastenverteilung ab: „Ich weiß letztlich nicht, warum sie so harsch in der Flüchtlingsfrage reagieren.“ Als Physikerin, die sie ist, kündigte sie deshalb an, sich nun noch eingehender mit dieser Frage „befassen“ zu wollen.“
Zitat Ende

Das zieht einem doch die Schuhe aus. Mein erster Rat lautet: als Physikerin an die Problematik heranzugehen ist der falsche Weg. Wie wäre es mal als Politiker, als Mensch, als intelligentes Wesen, als Europäer oder was auch sonst.

Es mag ja sein, dass ihr die Physik in Deutschland hilft, hat sie doch das Gesetz der Trägheit herrlich zur Grundlage ihrer Politik gemacht. Aber im Verständnis anderer, im Umgang mit anderen und vor allem in der Zusammenarbeit mit anderen Nationen, sollte man sich wirklich nicht auf die Naturwissenschaft verlassen.

Und wenn sie letztlich nicht weiss, warum diese Staaten „so harsch in der Flüchtlingsfrage“ regieren, dann hätte sie, die Leute, mit denen sie zusammen sass, doch einfach mal fragen können. Ich bin sicher, die hätten das sehr gerne erklärt. Aber wenn man sich selbstgefällig hinsetzt und glaubt auf die Leute nur so lange einreden zu müssen, bis diese nur um aus dem Zimmer raus zu kommen, zustimmen, dann, ja dann ist es kein Wunder, wenn man die Motive dieser Nationen nicht nachvollziehen kann.

Im Endeffekt gibt es nun nur noch 2 Möglichkeiten: entweder die Frau interessiert sich keinen Deut dafür, was in anderen Ländern passiert, was mit den Flüchtlingen passiert, welche Konsequenzen das alles haben wird. Oder aber: die Frau ist abgrundtief dumm! Denn ganz ehrlich: kompliziert ist das nicht. Wenn sie die Gründe für die Ablehnung wirklich nicht versteht, dann sollte man sich in Deutschland ernste Gedanken machen.

Da sie ja nun „als Physikerin“ an die Sache herangehen will, halte ich eine Erkenntnis für unwahrscheinlich und helfe ihr mal auf die Sprünge.

Warum wollen Länder wie Ungarn die Verteilung der Flüchtlinge nicht akzeptieren?

Sie können es nicht! Diese Länder haben keinerlei Infrastruktur, um sich um Flüchtlinge zu kümmern.
Warum?
Weil sie bislang vor dieses Problem nicht gestellt waren, es gab schlicht und ergreifend keine Flüchtlinge, die in grösseren Zahlen in diese Länder kamen.

Deutschland hat eine Infrastruktur für Flüchtlinge. Gesetze, Prozesse, Abläufe, Institutionen, Einrichtungen, Behörden und jede Menge privater Initiativen, die sich mit der Problematik seit Jahren auseinander setzen.
Und doch kommt Deutschland an seine Grenzen. In Deutschland kommt man bereits massiv in die Bredouille, beim Erhöhen von Kapazitäten innerhalb der bestehenden Strukturen.
Wie kann man dann allen Ernstes erwarten, dass wirtschaftlich schwächere und kleine Staaten es schaffen, in der selben Zeit eine komplette Infrastruktur zu schaffen?

Warum haben sie nicht am Aufbau der Infrastruktur gearbeitet?
Weil sie sich auf EU Verträge verlassen haben. So zum Beispiel Dublin. Und weil Deutschland als Wortführer Europas auch keinen Anlass gab, daran zu zweifeln, waren es doch die Deutschen, die den Italienern immer wieder erklärten: Lampedusa ist italienisch, es gilt Dublin, die Flüchtlinge sind ein italienisches Problem.
Und weil die Flüchtlinge auch gar nicht die nun beschimpften Länder als Ziel ihrer Flucht betrachten.

Vermutlich ist das, was Merkel nicht verstehen kann, weniger die Problematik in diesen Ländern sondern einfach nur, warum sie sich plötzlich nicht mehr durchsetzen kann.

Aber auch das ist einfach zu erklären:
Diese Länder stimmten den Sanktionen gegen Russland zu, obwohl sie es nicht wollten, da es ihnen Schaden zufügte.

Und nun verlangt die Merkel allen Ernstes zeitgleich (die Sanktionen laufen ja noch), dass diese Länder sich nicht nur wirtschaftlich sondern auch noch politisch und gesellschaftlich schaden.
Denn sie können diese Aufgabe nicht meistern, selbst wenn sie es wollten. Integrationsfähigkeit kann man nicht befehlen. Die muss durch jahrzehntelange Erfahrung in der Gesellschaft wachsen.

Vielleicht ist es auch so, dass die Regierungen dieser Länder kein blindes Vertrauen in das hirnlose „wir schaffen das“ und das geistlose „wir machen das“ haben. Denn beide Phrasen lassen Denkende mit der Frage nach dem Wie zurück.

Und vielleicht reichen diesen Ländern auch die Zusagen einer Merkel nicht, dass die EU helfen wird. Denn in der EU gibt es keine Vertragssicherheit.
Zuerst klammerten sich die Deutschen an Dublin, als sie selbst betroffen waren, erklärten sie: Dublin ist gescheitert.
Dann wurden finanzielle Leistungen (Subventionen etc) die nach Regelungen, Verträgen und Richtlinien innerhalb der EU verteilt werden, mit der Aufnahme von Flüchtlingen verknüpft. Dies ist nicht zulässig.

Und womöglich ist es so, dass die Regierungen der betroffenen Nationen sich auch Gedanken machen, wie die langfristigen Folgen aussehen.
Deutschland klagte jahrelang über Integrationsprobleme von Menschen mit Migrationshintergrund.
Klar gesagt: Deutschland hat nach mehr als 50 Jahren Migrationserfahrung Probleme, Menschen, die in Deutschland geboren sind, zu integrieren.

Womöglich fragen sich Länder wie Ungarn, wie sie ohne Migrationserfahrung Menschen integrieren sollen, die aus einem völlig fremden Kulturkreis kommen. In Ländern wie Ungarn gibt es zum Beispiel auch keine muslimischen Gemeinden , die dabei einen wesentlichen Beitrag leisten könnten, weil es in diesen Ländern schlicht kaum Muslime gibt.

Wie man überhaupt Menschen integrieren soll, ohne Infrastruktur, ohne Migrationserfahrung, die selbst überhaupt nicht integriert werden wollen, weil sie nicht in diesen Ländern sein wollen, ist fraglich. Sie wollen nach Deutschland. Denn Deutschland hat gerufen.

Denn in Deutschland funktioniert das auch immer ne ganze Weile: auf, wir machen mal. Jene die weiter denken, werden fix mit „sei nicht so negativ“ übergangen und am Ende steht dann einer da der sagt: ja also, das konnte man ja nicht vorhersehen. Aber den Versuch war es wert.

Das wird deutlich in dem Zitat:
„Machen wir doch erst einmal den Praxistest.“
Zitat Ende

Ganz Physikerin will sie einen Test machen. Mädel. Sie sprechen da von Menschen! Was soll das werden? Flüchtlings-Ping-Pong? Menschen als Versuchsratten? Die Flüchtlinge ebenso wie die Bürger der betroffenen Länder. Einen Praxistest, also eine Versuchsanordnung schlägt sie vor. Klar. Sie bezahlt ja auch nicht den Preis dafür.

Vielleicht ist es auch so, dass ein Land wie Deutschland sich so manches gescheiterte Experiment leisten kann. Aber in einem kleinen Land, mit schwächerer Wirtschaft, wie Ungarn, da kann so etwas fatale Folgen haben.

Und womöglich ist in diesen Ländern der Nationalismus sowieso im Aufwind und man möchte verhindern, dass durch ein Scheitern (das aus o.g. Gründen vorprogrammiert ist) aus dem Nationalismus eine faschistische Bewegung wird.

Es könnte auch sein, dass nach den vielen Veränderungen, die diese Länder seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion mitgemacht haben, einfach Vorsicht geboten ist. 25 Jahre ist das nun her. Nicht einmal eine Generation. Für diese Menschen hat sich alles geändert. Selbst wenn Veränderungen langfristig positiv sind, man braucht Zeit, sich daran zu gewöhnen. Ansonsten gehen wenige voran und die Gesellschaft bleibt zurück.

Könnte bitte irgendwer dieser Person, die sich offenbar in die Politik verlaufen hat, erklären, dass nicht alle Länder wie Deutschland sind und das man bei der Lösung der Probleme anderer Länder auch länderspezifische Lösung braucht und das „deutsche Mustermodell“ nicht einfach so übertragbar ist.

Ich bin wirklich fassungslos. Da wagt diese Person es wirklich zu erklären, dass sie so gar nicht versteht, was da los ist. Dass die sich nicht schämt!


https://propagandamelder.wordpress.com/2015/10/16/propagandameldungen-vom-16-oktober-2015/comment-page-1/#comment-33526

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