Zur Abwechslung mal ein paar ehrliche Worte im TV – aber nur ein paar

Die Phoenix Runde mit dem Titel: “Kampf gegen den Terror – Neuer Schulterschluss mit Erdogan” vom 16.01.2016 war sehr interessant.

Hauptthema war das Verhältnis zur Türkei: Tenor: Augen zu und durch. Der Kurs ist alternativlos, wir müssen mit der Türkei zusammen arbeiten.

Ein Lichtblick und ein Aufreger war Herr Lüders.

Der Aufreger war er für mich, weil er in dieser Sendung eine Äusserung tätigte, die der Propaganda und vor allem der politischen Linie der Nato-Staaten im Zusammenhang mit dem Abschuss der russischen Militärmaschine durch die Türkei völlig widersprach.
Nichts Neues. Aber in dieser Klarheit hätte man sich das früher gewünscht. Nämlich als das Thema aktuell war. Vor allem, um der Türkei Zügel anzulegen:

Zitat:
Dieser Abschuss des russischen Kampfjets hatte natürlich keine seriösen, ernsthafen militärischen Gründe. Sondern es war eine Duftmarke, die Erdogan gesetzt hat, seine Botschaft lautete: wir akzeptieren es nicht, dass Russland nun mehr aktiv mit eigenen Truppen das Regime von Assad in Syrien unterstützt. Wir haben andere Pläne mit Syrien.
Die türkische Führung sieht in der russischen einen unmittelbaren Rivalen im Kampf um den Einfluss in Syrien, deswegen dieser Abschuss.
Zitat Ende

Doch nun zur Dauerwerbesendung der EU-Opportunisten-Politik. Hier war Herr Lüders so sehr ein Lichtblick, dass ich mich frage, ob der Mann noch oft zu Wort kommen wird. Andererseits… wer schaut schon die Phoenix Runde. Da kann man dann auch mal einen Denkenden ein Wort der Vernunft und Offenheit sprechen lassen, kriegt eh kaum einer mit.

Christiane Hoffmann vom Spiegel ist der Meingung, dass im Umgang mit der Türkei fehler gemacht wurden.
Interessanterweise wurden da die gleichen Fehler genannt, wie von den wenigen mahnenden Stimmen zur Russlandpolitik stets beklagt.

Frau Hoffmann ist auch der Meinung, dass man jetzt mit der Türkei in einem Boot sitzt und wir “alle Opfer” sind.
Na das seh ich zwar ein wenig anders, aber irgendwie muss man uns ja schliesslich erklären, warum wir Russland fürchterlich diktatorisch finden müssen, aber uns damit abfinden sollen, dass die Türkei trotz Unterdrückung der Presse in aller Öffentlichkeit und mit aller Brutalität und vor allem dem Beschuss der eigenen kurdischen Bevölkerung ein potenzieller Beitrittskandidat sein soll.

Aber irgendwie auch nicht so richtig. Man soll vom Beitritt sprechen, um eine Option zu zeigen, die Tür offen halten. Aber mit Erdogan, so sind sich die Teilnehmer der Runde einig, sei ein EU Beitritt der Türkei eigentlich vom Tisch.

Da fragt man sich doch, ob die wirklich glauben, dass es immer noch Staaten gibt, die auf die EU Möhre hereinfallen.
Diese Arroganz ist einfach unglaublich.
Nein, Beitritt geht nicht, aber man kann ja davon reden, damit er einem gewogen bleibt.
So ein Keks kriegt man serviert. Und das kurz nach der Erkenntnis, dass man mit der Türkei vor einigen Jahren, als Herr Erdogan offen für den Westen war, respektvoller hätte umgehen müssen.

Das verstehe wer will.
Wirklich schonungslos zeigt sich mal wieder Herr Lüders, der dazu neigt, das Kind beim Namen zu nennen.

Wie schon zuvor verurteilt er die Interventionspolitik im Nahen Osten, die eben den Boden für den IS bereitet haben.

Während ein Gesprächsteilnehmer die Brutalität der PKK erwähnt und darauf besteht, dass die Türkei keinen Krieg gegen die Kurden führt, sondern gegen die PKK, wird Herr Lüders mehr als deutlich, denn er erklärt, dass man “der Vollständigkeit halber” auch die Bombardements auf die Städte durch die Regierung und die toten Zivilisten erwähnen sollte. Und dass es die Kriegsführung im Südosten der Türkei in solcher Brutalität seit den 90er Jahren nicht mehr gab.

Und er macht klar, dass wir im Austausch für die Lösung des Flüchtlingsproblems der Türkei freie Hand lassen, und das man lange suchen muss, bis man Politiker findet, die das auch in klaren Worten benennen.

Zum Kampf gegen den IS:
Zitat:
“Die grundlegende Frage ist, wie kann man Staaten wieder zusammen bekommen, wenn sie erst mal zerstört worden sind, massgeblich als Ergebnis westlicher Intervention…..”
Zitat Ende

Mensch, wenn ich so was von mir gebe, dann heisst es, ich sei ein antiamerikanischer, vom Kreml bezahlter Verschwörungstheoretiker.

Macht es mir Hoffnung, dass Herr Lüders sich so unverblümt äussern konnte? Nein. Denn Herr Lüders fungiert meiner Meinung nach als Quotenmeinung.
Seht her, bei uns kommt auch jemand mit einer anderen Meinung zu Wort. Wir können ja nix dafür, wenn Millionen Menschen die Schlagzeilen der Bild lesen und nur wenige der Phoenix Runde folgen.
Ich glaube, die Auftritte von Herrn Lüders sollen einfach weitere Programmbeschwerden erschweren.

Ein Lichtblick ist er für mich dennoch. Seine Meinungsäusserung wird weder bei den Massen, noch bei Medien oder Politik etwas ändern. Aber sie zeigt mir: liebe Petra, du bist nicht alleine und nicht total bekloppt, wenn du darauf bestehst: die Interventionspolitik ist die Ursache unserer Hauptprobleme und zur Lösung dieser Probleme sind wir bereit, uns auf den selbst schmutzigsten Handel mit der Türkei einzulassen.


https://propagandamelder.wordpress.com/2016/01/19/propagandameldungen-vom-19-januar-2016/comment-page-1/#comment-46338

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