Der „Fall Litwinenko“ in 45 Minuten im ZDF

Eine detaillierte Analyse von:
ZDFzoom vom 22.01.2016, 00.50 Uhr

Der investigative Journalist Koch, ist ein Generalist.
Von RAF, über Giftmüll, Scientology, Islamisten bis eben nun Litwinenko ist sein Themenfeld sehr weit gefasst. Was vermutlich auch erklärt, dass seine Recherchen eher nach Tourismus aussehen, weil er mit jenen spricht, die wiederholen, was sie immer erzählen und eben nichts Neues dabei herauskommt.

Von Recherchen würde ich da nicht sprechen. Herr Koch liefert eine Zusammenfassung. Mit Bildern und Interviews.

Ein erheblicher Teil seiner Reportage entstammt dem Film „Poisoned by Polonium“, was er allerdings immer kennzeichnet.

Folgende Aussagen des Autors möchte ich hervorherben:

Trotz Internationalem Haftbefehl, lehnte der Kreml die Auslieferung ab. Wieder keine Erwähnung, dass dies lt. Russischer Verfassung nicht möglich ist. Ebenfalls wird nicht erwähnt, dass Russland den Briten anbot, das Verfahren in Russland abzuhalten, was die Briten ablehnten (Quelle: Roxburgh)

Es wurde erklärt:
Er floh mit seiner Frau nach London.
„Ein in London lebender Oligarch“ besorgte ihm ein Appartement.
Dass dieser Oligarch kein geringerer als der Putinfeind Beresowski war, liess man lieber weg.

Dann wird erwähnt:
Litwinenko beschimpfte Putin als Pädophilen. Selbst für seine Freunde ging er damit zu weit.
Dies blieb aber unkommentiert. Dass es zu weit ging, weil es eben Beschimpfungen und keine Beschuldigungen waren, dass diese Beleidigungen unglaubwürdig waren, wird nicht erwähnt.
Ebenso wenig wird gefragt, ob nicht Litwinenkos Glaubwürdigkeit ein wenig angekratzt sein könnte, wenn er schon so weit geht, jemanden der Pädophilie zu bezichtigen.

„Alle mit denen wir in Moskau sprachen, kamen zum gleichen Ergebnis, auch wenn sie keine Beweise haben.“
Und: in London hat Marina Litwinenko keine Zweifel.

Ja, das ist ja schön, sie reden alle, keiner hat Beweise. Der Ehefrau mag man das Verzeihen, auch noch den verbitterten Ex-was auch immer sie mal waren.
Aber das man auf Zeugen, die alle das gleiche sagen, aber sich alle in der gleichen doofen Situation befinden, keine Beweise zu haben, einen „investigativen Bericht“ aufbaut, das ist dann doch etwas mager.

Interessant ist auch die Geschichte bezüglich der Ermittlungen der Spanier gegen einen Chef einer russischen Mafia.
Dieser, mit Namen Petrov war in Spanien verhaftet worden. Die spanischen Behörden „wissen, dass es Zusammenarbeit mit gewissen Personen der Regierung ODER Personen der Verwaltung gab. (Anm. das macht aber schon einen wesentlichen Unterschied, finde ich).

Und was wurde aus diesem Mann? Super Geschichte: die Spanier wurden eines russischen Mafia-Patens habhaft, von dem sie annehmen, dass er Kontakte bis in Regierungskreise hat und was tun sie?
Sie lassen ihn nach Russland ausreisen, nachdem er sein Ehrenwort gegeben hat, nach Spanien zurückzukehren. Und jetzt sind sie ganz entrüstet, dass er nicht wieder kommt und vermuten, dass die Russen ihn nicht ausreisen lassen.
Nicht dass einer denkt, der wolle nicht in einem spanischen Knast versauern oder so.

Am Ende des Berichts:
Es gibt keine weiteren Beweise, als Zykows Aussage.
Und weiter:
Wenn es stimmt, was Zykow und Trepaskin sagen…

Mal ganz hart gesagt: wenn diese Leute etwas sagen und es gibt keine Beweise und man dann genötigt ist, ins „wenn es stimmt dann“ dann ist die Recherche für die Tonne, weil es keine Recherche ist, sondern nur Gerüchteküche.

Mit folgenden Personen hat er gesprochen:

Die Ehefrau Litwinenkos:
Sie sagte u.a.:
„Sie wollten nicht, dass Polonium entdeckt wird“
und
„Sie hinterliessen überall Spuren, es war so unprofessionell, offenbar dachte man, dass Polonium nicht nachgewiesen werden könne.“

Ich finde diese Aussagen sehr interessant. Denn ich bin mir ganz sicher, dass es günstigere und weniger aufwendige Methoden gibt, einen Menschen um die Ecke zu bringen, wenn man möchte, dass der Mord nicht „entdeckt“ oder „nachgewiesen“ werden soll.

Wieso Putin irgendwelchen unprofessionellen Stümpern einen Mordauftrag geben soll, mit einem sündhaft teuren Mittel, das eindeutig auf Russland zeigt, wenn er jemanden aus dem Weg haben will, ohne in Verdacht zu kommen, das erklärt man mir leider nicht.

Andrei Nekrasow (Regisseur und Freund Litwinenkos)
Wenn Litwinenko zu Wort kommt, sind das meist seine Aufnahmen. Er erzählt, Litwinenko habe zu ihm gesagt:
„Sieh mich an, dies ist der Beweis, dass alles was ich über Putin gesagt habe.“

Na ja, ich seh das ja anders. Wer von uns würde Litwinenko und seine Aussagen kennen, wenn er nicht so dramatisch ermordet worden wäre? Und der Tod eines Mannes, der alles weiss, aber nichts beweisen kann, ist für mich kein Beweis.

Experte: Boris Zhukow, Wissenschaftler, der bereits 2006 mit Newsweek sprach.
Er zeigt, wie einfach es sei, jemanden mit Polonium zu vergiften. Und erklärt:
„Die Täter hatten offenbar keine genauen Anweisungen für die Ausführungen erhalten.“
Also wieder die Stümper unterwegs.

Interessant im Zusammenhang mit Herr ist übrigens der Newsweek Artikel.
Denn darin erklärte er, dass es absolut unmöglich sei, das Polonium ausserhalb von staatlichen Kontrollen zu erhalten.
Und Newsweek ergänzt:
Einige britische und US Geheimdienstquellen vermuten, dass das Polonium 210 das Litwinenko tötete auch von einer Quelle stammen könnte, die nicht russisch sei.
http://europe.newsweek.com/russian-roulette-105625?rm=eu
Davon ist aber heute auch keine Rede mehr.

Rechtsanwalt Mikahel Trepaskin, ehemaliger FSB Offizier, Freund Litwinenkos
Er berichtet: eine Waffe wurde ihm untergeschoben“ und er wurde verhaftet.
Weil er das Angebot nicht angenommen hatte, die Rolle Lugowois bei dem Anschlag zu übernehmen.

Also muss ich mir das so vorstellen: der Präsident will jemanden abmurksen und dann wird erst mal ne Fragestunde veranstaltet, wer will denn gerne und wer nicht. Ganz ehrlich. Ich bin mir sicher, in jedem Land gibt es ganz spezielle Leute, die der Regierung für so etwas zur Verfügung stehen. Und die werden nicht gefragt, sie kriegen kein Angebot, sie kriegen einen Befehl und machen.

Yuri Felshtinski, Historiker
Der allerdings in „die Zeit“ zum Kreml Experten wurde und uns erklärte, dass er ganz sicher sei, dass Putin Nemzov hat ermorden lassen, denn dieser sei ein „wichtiger Oppositionspolitiker“ gewesen. Sein Beweis dafür ist bestechend: jeder andere Mörder als ein vom Kreml beauftragter, hätte Nemzov an einem anderen Ort getötet.
Ja. Das ist wahrhaft ein Beweis.
Die Alternative ist natürlich: jemand der die Geschichte vom Oppositions-meuchelnden Putin beleben wollte, hätte genau diesen Ort gewählt.
http://www.zeit.de/politik/2015-03/putin-nemzow-hitler-mord-russland-fsb-moskau/komplettansicht

Dieser Herr Felshtinski berichtet von einer Begebenheit, die ihm Litwinenko erzählt hatte:
Bei seinem einzigen Treffen mit Putin habe er sofort gemerkt, dass Putin lügt. Und am Ende des Gesprächs hätte Putin (gerade der Chef des FSB geworden) ihn um seine private Telephonnummer gebeten. Er habe Putin gefragt wofür, und Putin hätte geantwortet: ich möchte sie anrufen.
Nach diesem Gespräch sei ihm klar geworden, Putin sei clever und gefährlich und Putin habe angeordnet sein Telephon abzuhören.

Und auch nach dieser Geschichte, keine Zweifel an der Glaubwürdigkeit Litwinenkos?
Vielleicht liegt es auch an mir, vielleicht überschätze ich die Möglichkeiten des Chefs des FSB. Aber ich bin mir sicher, wenn er möchte, dass ein Telephon in Russland abgehört wird, dann wird er den Anschlussinhaber nicht erst um seine Telephonnummer bitten müssen.
Nur so ein Gedanke.

Andrei Zykow ehemaliger Sonderermittler Petersburg
Er erzählt davon es hätte viele Belege für Putins Verwicklungen in kriminelle Machenschaften gegeben, es hätte Aufzeichnungen, Telephonmitschnitte gegeben.
Die Beweise hätten ausgereicht, um Putin anzuklagen und ihn ins Gefängnis zu schicken.
Dann wurde Putin Präsident und damit endeten die Ermittlungen. Er wurde entlassen.

Ich frag mich natürlich an dieser Stelle, warum niemand mit diesen „erdrückenden Beweisen“ zu den entsprechenden Leuten ging, BEVOR Putin Präsident wurde.
Und ich frage mich, wie man erdrückende Beweise sammeln kann, gegen den Chef des Geheimdienstes, ohne dass diese Ermittlungen gestört werden.

Dieser Mann erscheint aber selbst dem „Rechercheur“ nicht so ganz einwandfrei, denn er erwähnt:
„Er wirke bitter.“

Einige Mal kommt wie bereits erwähnt Litwinenko selbst zu Wort.

Mein absoluter Favorit ist folgender Part:
Litwinenko fragt:
„Warum waren sie so böse auf mich?“
Er sei ja schliesslich nicht übergelaufen, sondern hätte nur auf die Korruption aufmerksam machen wollen.
Und russische Agenten hätten zu ihm gesagt:
Es wäre in Ordnung gewesen, wenn er die Agenten verraten hätte, denn dann hätten sie neue geschickt, aber er habe ihre Geldquellen angegriffen.

Zum einen ist es nicht glaubhaft, dass die Russen ganz entspannt neue Agenten geschickt hätten, wenn er die aktiven enttarnt hätte. Es ist absoluter Unfug zu glauben, dass eine solche Tat, einfach hingenommen worden wäre.

Zum andern wird in diesem Bericht erwähnt:
„Der MI6 zahlte Litwinenko ein monatliches Salär.“

Ja, das machen Geheimdienste immer, wenn ausländische Agenten auftauchen und nicht überlaufen, indem sie vertrauliche Informationen weitergeben. Noch ein Widerspruch, der nicht an der Glaubwürdigkeit Litwinenkos kratzen kann.

Das ist ungeheuerlich. Selbst seine Freunde (u.a. Beresowski) zweifelten am Wahrheitsgehalt all seiner Vorwürfe.
Und für unsere Journalisten stellt sich nicht einmal die Frage: wenn der Mann so viel Schlimmes weiss, warum hat er es dann noch nötig, Märchen über Pädophilie zu erfinden.

Wer würde denn, wenn er wirklich weiss, dass ein Präsident kriminell ist, seine eigenen Aussagen unterminieren, indem er übertreibt?
Vor allem dann, wenn er keinerlei Beweise vorlegen kann.

Aber eigentlich habe ich nur eine Frage:
warum hätte Putin den Mann, der ihn in einer Pressekonferenz beschuldigte und von dem klar war, dass er damit nicht aufhören würde, erst nach London ausreisen lassen, um in dort möglichst aufsehenerregend (obwohl er es geheim halten wollte) umbringen lassen und das nicht bereits in Russland erledigen sollen.


https://propagandamelder.wordpress.com/2016/01/22/propagandameldungen-vom-22-januar-2016/#comment-46583

 

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