Der Werbespot für Klitschko!

Zur Sendung auf Phoenix mit dem Titel:
„Klitschkos Kampf um Kiew“ (21.02.2016, 2 Uhr 25)

Es handelt sich hier um einen Filmchen meiner Lieblingsreporterin Katrin Eigendorf. Denn kein deutscher Journalist hat mir jemals besseres Anschauungsmaterial geliefert, wie man Menschen manipuliert, indem man ihnen erzählt was sie gerade sehen, obwohl davon nichts zu sehen ist (s. youtube Clip Katrin Eigendorf – die Russen kommen).

Aus der Ankündigung im Videotext:
Zitat:
„Bei den Neuwahlen am 25. Oktober 2015 droht dem einstigen Hoffnungsträger der K.O. Zu tief ist der Sumpf der Vetternwirtschaft, zumal sogar Teile seiner engsten Mitarbeiter in dubiose Geschäfte verwickelt sein sollen.“
Zitat Ende

Klitschko ist eigentlich abgesehen von seinen legendären Sprachaussetzern, über die man sich im Netz amüsiert, von der Bildfläche unserer Berichterstattung verschwunden. Deshalb hier ein kleiner Überblick zur Erinnerung:

Wessen Hoffnungsträger war der Mann denn jemals? Bevor der Westen intervenierte trat er zwei Mal zur Wahl an.
2006erhielt er 29% der Stimmen.
2008 erhielt er knapp 18% der Stimmen.
Bei den Parlamentswahlen 2012 erreichte seine Partei 13,9%.
Das sollte Herrn Klitschko aber nicht davon abhalten, die grössten Hoffnungen in sich selbst zu setzen, warum er auch ankündigte 2015 (die ursprünglich regulären Wahlen) als Präsidentschaftskandidat anzutreten.

Er verliess sich wohl auf die tatkräftige Unterstützung der KAS und ähnlicher Vereine und vor allem auf die Unterstützung der EVP. Die wohl kein Problem damit hatte, sich aktiv einen Kandidaten in einem Nicht-EU-Land aufzubauen.

Er hatte sich viel vorgestellt. Aber niemand seiner Freunde hatte ernsthaft die Absicht diesen Mann zum ukrainischen Präsidenten zu machen. Vermutlich hatte niemand die Zeit, diesen Menschen den ganzen Tag zu coachen.

Er war die Marketingfigur, mit der man vor allem in Deutschland die Bereitschaft zur Akzeptanz einer Revolution in der Ukraine erhöhte.

Der prügelnde Milchschnittenboy erfreut sich beim durchschnittlichen Bildzeitungsleser einer grossen Beliebtheit und war daher ideal, um das Verbrechen am ukrainischen Volk, das auf dem Maidan begann und bis heute noch kein Ende gefunden hat, als edle Sache zu verkaufen.

Mit dem Amt des Bürgermeisters wurde Klitschko fürstlich entlohnt. Keine schlechte Karriere, für einen Mann, der keine Sprache richtig spricht und vorher maximal bis 10 zählen können musste (wobei, das übernahm ja auch ein anderer, also ist diese Fähigkeit nicht gesichert überliefert).

Dieser Film bietet keinerlei Antworten. Er ist eine Mischung aus Hofberichterstattung und Wahlkampfsendung.

Die Sendung beginnt mit einem sehr um Betroffenheit bemühten Klitschko im Wahlkampf. Er ist auf der Strasse. Eine Frau spricht ihn an. Sie ist verzweifelt, denn man hat ihr das Kind weggenommen.
Er macht sich Notizen.

Wahlkampf eben.

Die mitfühlende Frau Eigendorf fragt:
Warum tut er sich das an? Ein Mann der alles erreicht hat.

Dazu ein Kommentar von ihm:
Er würde sich ab und zu selbst fragen, Vitali, brauchst du das. Dabei lacht er in die Kamera.
Weniger zum Lachen finden das vermutlich die, die ihn definitiv nicht brauchen, aber einfach keine andere Wahl haben.
Etwas später wird das in dem Clip erwähnt:

Aktuell liegen die Zustimmungswerte bei ca. 20% aber Wiederwahl Klitschkos gilt als sicher, denn es gibt keine starken Gegenkandidaten.

Da fragt man sich doch dann ganz spontan, warum in der Ankündigung steht:
„Bei den Neuwahlen am 25. Oktober 2015 droht dem einstigen Hoffnungsträger der K.O“

Verstehen muss man das vermutlich nicht.

Und Frau Eigendorf ist grenzenlos begeistert, denn sie erklärt:
Wenn man ihn so sieht will man glauben, er kann es schaffen.

Schön. Ich finde das klasse. Ich bezweifle, dass Frau Eigendorf klar ist, was sie da sagt. Denn würde er nur halbwegs kompetent erscheinen, dann müsste es heissen: wenn man ihn so sieht, dann GLAUBT man. Aber nicht mal dafür reicht es.

Dann spricht Klitschko:
Wir haben die korrupten Strukturen abgeschafft.
An dieser Stelle musste ich meine Aufzeichnungen unterbrechen, die folgenden Sätze gingen in meinem lauten Gelächter unter.

Ein Bürgerrechtsaktiv erklärt, was er von Klitschko hält: blablabla. (Ehrlich, das ist nicht von mir).
Er berichtet, zu Beginn hätte er gehofft, doch die Korruption würde sogar noch wachsen.
Eine Dame der Open Society kommt zu Wort und erklärt: Klitschko lässt die alten korrupten Eliten in den Ämtern.

Doch auch dazu hat Frau Eigendorf eine Erklärung parat:

Im ukrainischen Wahlkampf sei es normal den politischen Gegner als korrupt zu diffamieren. Man würde dafür sogar Leute einstellen, die diese Gerüchte verbreiten.
Klitschko, offenbar zum Thema befragt, spricht deutsch (aber vorsichtshalber wird dann doch noch der Text eingeblendet) und empört sich darüber, dass die Politik nicht wie der Sport ist. Es gäbe keine Regeln.

Ach je, du alte Milchschnitte, die gibt es schon. Die sind nur nicht so einfach, wie die im Sport, weil es keine Schiedsrichter mit Pfeife oder Gong gibt.
Und jemand der tatkräftig daran mitgearbeitet hat, alles an politischen Regeln in der Ukraine (so zum Beispiel die Verfassung) mit Füssen zu treten, sollte in diesem Falle: schweigen!

Und dann wird er richtig energisch und regt sich über die Sofapolitiker auf, die zu Hause sitzen und kritisieren. Das sei einfach, selber machen sei viel schwerer.
Das Demokratieverständnis des Herrn Klitschko sehr schön serviert: entweder man geht in die Politik und „macht es selber“ oder aber man hat die Klappe zu halten.

Aber von Frau Eigendorf hören wir keine Kritik. Nein. Sie fragt:
„Ist er bereit die notwendigen Reformen durchzuführen? Ist er bereit, die alten Kader zu entlassen?“
Das hätte sie ihn ja in den Interviews fragen können. Sie hätte ihn auch fragen können, warum er das in den letzten 2 Jahren nicht getan hat. Sie fragt nicht mal offen in den Raum, was ihn nun dazu bewegen könnte, etwas zu tun, was er bisher nicht tat. Aber sie war wohl mit Schmachten beschäftigt.

Wir erfahren etwas Neues:
Poroschenko und Klitschko haben gemeinsam auf dem Maidan gekämpft.
Da ist es wieder. Das Katrinchen, das einfach mehr sieht, als alle anderen.

Ich erinnere mich an das Triumvirat der Putschisten (Klitschko, Jazenjuk, Tjahnybok), das man auf dem Maidan stets sah, aber nicht an Poroschenko. Den hatten sie nämlich vorsorglich in der Mottenkiste gelassen, weil er so gar nicht sympathisch war und noch immer ist. Der hat nicht gekämpft, der hat finanziert. Aber das hat man uns damals nicht gleich berichtet, denn man strickte ja an der Legende des spontanen Volkszorns. Deshalb tauchte der Mann einfach ein wenig später auf.

Fein ist, wir sehen Klitschko umgeben von US Soldaten. Frau Eigendorf erzählt uns, dass er für diese vor allem die Boxlegende ist. Sie erzählt uns aber nicht, was diese Leute da zu suchen haben.

Aber es ist Wahlkampf, da braucht man schöne Bilder und deshalb endet das Werbefilmchen mit dem Satz:

Scheitern steht nicht im Lebensentwurf des Vitali Klitschko!
Da bin ich platt!
Ich kenne übrigens keinen, der das in seinen Lebensentwurf je reingeschrieben hätte. So weit ich weiss, hat es auch noch nie ein Scheitern verhindert, es vorher nicht geplant zu haben.

Aber Frau Eigendorf weiss da sicher auch mehr.


https://propagandamelder.wordpress.com/2016/02/21/propagandameldungen-vom-21-februar-2016/comment-page-1/#comment-51065

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