Der merkwürdige Fall des Herrn Lessin

Ein toter Russe im Ausland ist ja schon ein Thema. Vor allem dann, wenn es sich um einen „Ex-Putin-Irgendwas“ handelt. Seien es Banker, Freunde, Minister, Angestellte, Mitarbeiter, Berater, Kollegen, Nachbarn etc. Er muss irgendwann mal irgendwas mit Putin zu tun gehabt haben. Dann kann man sich darauf verlassen, sollte er im Ausland sterben, dann wird es merkwürdig.

Man sagt es dann nicht unbedingt direkt, aber irgendwas wird Putin schon gemacht haben. Und es geht ja auch nicht um den Menschen, der da gestorben ist. Man nutzt einfach die Gelegenheit um die negativen Gefühle für Russland auf dem gewünschten Level zu halten.

Alles was beim Leser hängen bleiben wird: schon wieder ein Toter und Putin.

Als im letzten Jahr Mikhail Lessin starb (Ex-Medienberater Putins dem wir RT verdanken), beschäftigten sich die Berichte in der Hauptsache damit, dass er die Pressefreiheit beschränkte, reich war, Schuld an RT ist und in den USA lebte.

Er starb am 5. November 2015.
Und heute werden wir darüber informiert: die Amerikaner haben in einem Gutachten festgestellt, der Mann starb eines gewaltsamen Todes.

Im November letzten Jahres meldete der Focus:
Russische Medien haben als Todesursache Herzinfarkt gemeldet und
Zitat:
„Die Polizei in Washington bestätigte Lessins Tod, der sich bereits am Donnerstagvormittag (Ortszeit) ereignet habe. Zunächst waren demnach Rettungskräfte zu einer “bewusstlosen Person” gerufen worden, die dann vor Ort einen leblosen Menschen vorgefunden hätten.
Die Todesursache werde nun untersucht, Lessins Leiche sei bereits obduziert worden, hieß es weiter. Ob die US-Bundespolizei FBI eingeschaltet wurde, wurde nicht mitgeteilt. US-Regierungsvertreter informierten die russische Botschaft in Washington über Lessins Tod und die Behörden beider Länder untersuchten daraufhin die Todesursache.“
Zitat Ende
http://www.focus.de/politik/ausland/er-hatte-ein-grosses-vermoegen-in-den-usa-angehaeuft-frueherer-putin-berater-in-washingtoner-hotel-tot-aufgefunden_id_5070958.html

Der Stern meldete nur, der Tod wird untersucht.
http://www.stern.de/panorama/weltgeschehen/michail-lessin–langjaehriger-berater-von-wladimir-putin-stirbt-in-us-hauptstadt-6543092.html

In der FAZ ging es auch in der Hauptsache um seine bösen Tätigkeiten für Putin:
Zitat:
„Am Freitag wurde er von einem Mitarbeiter der russischen Botschaft identifiziert. Die amerikanische Polizei nahm Ermittlungen auf. In russischen Staatsmedien hieß es unter Berufung auf Verwandte, Todesursache sei ein Herzanfall gewesen.“ Zitat Ende
http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/michael-lessin-gestorben-baumeister-des-apparats-13900948.html

Auch der Guardian gibt nicht mehr her:
http://www.theguardian.com/world/2015/nov/07/vladimir-putin-ally-found-dead-in-washington-hotel

Die Washington Post schrieb:
Zitat:
„District police said on Thursday that detectives who investigate apparent natural deaths were handling the case.”
Zitat Ende
Übersetzung:
Die Zuständige Polizei teilte am Donnerstag mit, dass Beamte, welche für Todesfälle zuständig sind, bei denen man eine natürliche Todesursache vermutet, den Fall bearbeiten.
https://www.washingtonpost.com/local/public-safety/former-putin-aide-found-dead-in-dupont-circle-hotel/2015/11/06/dd30c012-84e5-11e5-a7ca-6ab6ec20f839_story.html

Den kleinen Ausflug in die Vergangenheit unternehme ich nicht ohne Grund. Noch mal das Wesentliche zusammengefasst:
Lessin wurde tot aufgefunden. Zum Zeitpunkt der Meldungen war der Leichnam obduziert. Die Polizei hatte keinen Hinweis auf ein Verbrechen (sonst hätte kaum die in der Washington Post genannte Abteilung der Polizei ermittelt, sondern vermutlich irgendwelche hochwichtig klingende Abteilungen von FBI und Polizei). Nicht einer sprach von einem mysteriösen Tod.

Der Fall schien so klar, dass er nicht mal für „geheimnisvoller Tod“ reichte.

Vermutlich ist das der Grund, warum der Fall nach der Meldung aus den Medien verschwand.
Also bis heute.
Heute dürfen wir im Spiegel lesen:

Zitat:
„US-Gutachten: Putin-Berater Lessin kam gewaltsam ums Leben
Der Ex-Berater von Wladimir Putin wird tot in einem Hotel in den USA gefunden. Erst gehen die Behörden von einem Herzanfall aus. Nun zeigt ein Gutachten: Michail Lessin ist keines natürlichen Todes gestorben.“

Und:

„Der Kreml bestätigte den Tod des ehemaligen Beraters von Präsident Wladimir Putin, das staatliche Fernsehen erklärte, er sei an den Folgen einer Herzattacke gestorben. Doch übereinstimmenden US-Medienberichten zufolge soll er gewaltsam ums Leben gekommen sein: Die Todesursache sei demnach Gewalteinwirkung gegen Lessins Kopf.
Das berichtet unter anderem die “Washington Post” unter Berufung auf das Gutachten des obersten Gerichtsmediziners der USA. Demnach wurden am Körper des Toten auch Verletzungen an Nacken, Oberkörper, Armen und Beinen entdeckt.“
Zitat Ende
http://www.spiegel.de/politik/ausland/wladimir-putins-ex-berater-michail-lessin-starb-gewaltsam-a-1081744.html

Dass der Spiegel hier die Aussage der russischen Medien im November mit den neuesten US Medienmeldungen vergleicht ist unlauter. Denn im November haben die US Medien ja auch nix anderes geschrieben, als „der Mann ist tot, es wird ermittelt.“
Hier wird fix die beliebte „russische Medien lügen immer“ Propaganda betrieben.

Auch die Süddeutsche tut, als hätten alle anderen mehr gewusst. Und betonen: die Russen haben gelogen:
Zitat:
„Der im November 2015 tot in einem Hotelzimmer gefundene Michail Lessin ist entgegen Berichten russischer Medien keines natürlichen Todes gestorben.
Laut einem gerichtsmedizinischen Gutachten kam er durch Gewalteinwirkung gegen den Kopf ums Leben.“
Zitat Ende
http://www.sueddeutsche.de/politik/washington-ex-putin-berater-lessin-starb-gewaltsam-1.2902420

Die Zeit verwirrt mich dann auch noch:
Die schreibt nämlich:
Zitate:
„Der frühere Berater des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Michail Lessin, ist nach übereinstimmenden US-Berichten gewaltsam ums Leben gekommen und nicht wie ursprünglich berichtet an einem Herzinfarkt gestorben. Die Washington Post und andere Medien zitierten am Donnerstag aus einem Gutachten des obersten Gerichtsmediziners der US-Hauptstadt: Die Todesursache sei demnach Gewalteinwirkung gegen Lessins Kopf. Außerdem führe der Bericht Verletzungen an Nacken, Oberkörper, Armen und Beinen an.“

Und:

„Die Washingtoner Polizei erklärte, der Fall werde weiterhin untersucht. Ein Sprecher wollte laut Washington Post nicht sagen, ob es sich bei der Gewalteinwirkung um ein Verbrechen gehandelt habe. Der Kreml hatte den Tod Lessins im November bestätigt. Die staatliche Fernsehgesellschaft Russia Today, bei deren Gründung Lessin mitgeholfen hatte, nannte einen Herzinfarkt als Todesursache. Davon hatte angeblich auch Lessins Familie gesprochen und sich auf entsprechende langjährige Beschwerden berufen.“
Zitate Ende
http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-03/michail-lessin-wladimir-putin-washington

Sauberer Journalismus wäre es gewesen, wenn man auf das allseits beliebte „angeblich“ verzichtet hätte und stattdessen die Formulierung „RT hatte den Herzinfarkt unter Berufung auf Lessins Familie gemeldet“.

Aber die Zeit erinnert sich offenbar daran, dass nicht nur russische Medien nicht von Verbrechen sprachen.

Gewaltsam, aber man weiss nicht, ob es sich um ein Verbrechen handelt. Nicht am Herzinfarkt gestorben.

Hätte man jetzt nicht mal selbst nachfragen müssen?
Meine Fragen wären gewesen:
Hatte der Mann einen Herzinfarkt oder nicht?
Wie war die Auffindesituation?

Möglich wäre ja auch: er hatte einen Herzinfarkt, brach zusammen und stürzte dabei auf oder in etwas und starb an den Verletzungen, die der Sturz zur Folge hatte.

Ich muss allerdings gestehen: es hätte mich zunächst etwas ganz anderes beschäftigt:

Vielleicht bin ich ja ein wenig doof. Aber hätten die Verletzungen an Nacken, Oberkörper, Armen, Beinen, Kopf nicht irgendwie schon im November auffallen müssen?
Die beschriebenen Verletzungen klingen nach „da ist jemand tot geschlagen worden“ und dann lässt die Polizei eine Abteilung ermitteln, die sich mit Todesfällen beschäftigt, die natürlich erscheinen?

Oder aber die Ursachen für diese nun sehr dramatisch wirkenden, weil nicht näher beschriebenen Verletzungen an allen möglichen Körperteilen, waren nicht so mysteriös wie man uns heute verkaufen will.
Womit wir bei der Auffindesituation sind, die man hinterfragen müsste.

Und schlussendlich bleibt noch der Gedanke:
Und um festzustellen, dass der Mann nicht an einem Herzinfarkt gestorben ist, sondern einen gewaltsamen Tod starb, brauchen die US Behörden 3 Monate?


https://propagandamelder.wordpress.com/2016/03/11/propagandameldungen-vom-11-maerz-2016/comment-page-1/#comment-53633

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