Die Schüsse auf dem Maidan sind aufgeklärt!
Also wieder einmal!

Denn offensichtlich werden wir nun jedes Jahr mit einem neuen „Untersuchungsergebnis“ beglückt.

Ein kleiner Überblick:

Im Jahr 2014 erklärte Jazenjuk, die Untersuchungen haben ergeben, dass die Schüsse auf Befehl Janukowitschs erfolgt seien.
Ich erinnere mich genau an die Szene. Denn Gestik und Mimik Jazenjuks waren eine Kopie Clintons, als dieser erklärte „keinen Sex“ gehabt zu haben.
(Leider finde ich den Clip nicht mehr)

Im Februar 2015 erklärte der ukrainische Präsident Poroschenko: die Schüsse wurden von einer „fremden Macht“ befohlen und abgegeben. Und man ging sogar noch weiter: Wladilaw Surkow (Berater Putins) wurde als Koordinator der Maidan Schüsse genannt.
http://orf.at/stories/2265977/2265978/

Am 20.03.2016 kurz vor 23 Uhr sendete Spiegel TV die Sensations-Nachricht:
Die Schüsse auf dem Maidan sind aufgeklärt.
Janukowitsch gab den Befehl, die Berkut-Einheiten haben geschossen.

Der Spiegel, der mal wieder ganz stolz betont, dass er exklusiv aus Kiew berichtet, hat so einiges vergessen.
Man übernimmt die neueste Version Kiews (sicher nicht die letzte, wenn die Merkel kein Geld mehr schickt, wird sie vermutlich auch irgendwann beschuldigt) ohne Rücksicht auf die Meldungen der Vergangenheit.

Zum Beispiel hat sich keiner mehr die Mühe gemacht, den Hinweisen bezüglich des Ashton/Paet-Tapes nachzugehen.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/krise-in-der-ukraine-telefonat-mit-ashton-abgehoert-a-957159.html

Die BBC und Monitor (ARD) haben ebenfalls festgestellt, dass die Schüsse auf dem Maidan nicht nur von den Regierungstruppen abgefeuert wurden.
Monitor hatte sogar berichtet, dass die Schüsse zum Teil aus dem Hotel Ukraina auf die Demonstranten abgegeben wurden.
Aber wen interessiert das?
Der Mythos muss nun endlich in den Köpfen in einer finalen Fassung verankert werden. Und die Chancen stehen gut, wer erinnert sich denn bitte heute noch an die Nachrichten-Kreuzfahrten, die wir in Sachen Maidan Schützen inzwischen erlebt haben?

Der Spiegel bewegt sich auf niedrigstem Propaganda-Niveau. Ich möchte an dieser Stelle auf einen Artikel von NTV verweisen:
http://www.n-tv.de/politik/politik_kommentare/Kiew-verschleiert-Maidan-Massaker-article14822286.html
Der Kommentar vom April 2015 von Herrn Rothenberg ist wirklich lesenswert. Die Glaubwürdigkeit von Jazenjuk und Poroschenko bewertet er gänzlich anders als es der Spiegel tut. Und er folgert auch richtig:
Zitat:
„Die finanziellen Hilfen für die Ukraine sind an strenge Bedingungen gekoppelt. Dass die Aufklärung der Todesschüsse auf dem Maidan nicht dazu zählt, ist ein Fehler.“
Zitat Ende

Wie glaubwürdig ist eigentlich noch der Spiegel, wenn er seinen Namen für dieses TV Magazin hergibt?
Online kann man das komplette Inhaltsverzeichnis der Printausgabe des Spiegels vom 19.03.2016 lesen. Kein Wort zu der Sensation.
Auch sonst schlägt die Aufklärung eines Verbrechens das die Welt spaltete ziemlich winzige Wellen. Um es genau zu sagen: keine.

Der Anfang der Sendung reicht aus, um mich auf die Palme zu katapultieren:
Da fragt die Moderatorin schon fast anklagend:
„Oder erinnern Sie sich noch an die blutigen Strassenschlachten vom Maidan?“
Und ich würde ihr am liebsten ins Gesicht schreien: ja tu ich, und im Gegensatz zur Spiegel-Propaganda-Schleuder erinnere ich mich auch an die Berichterstattung zu diesem Thema. Und an meine Empörung darüber, dass man sich von diesen Verbrechern im Wechsel anlügen oder benutzen lässt, aber keinerlei Druck ausübt, weil das nun ganz dolle demokratische Freunde sind.

Es folgt ein etwas verwirrter Sprecher, denn zu den Ereignissen auf dem Maidan erklärt er innerhalb von 2 Sätzen:
„Hier liess Janukowitsch auf sein Volk schiessen.“
und
„Wer den Schiessbefehl gab, bis heute ungeklärt.“
Alles klar?

Dann das allseits beliebte tragische Einzelschicksal, damit man auch versteht, dass es da um Menschen geht. Ich weiss nur nicht, warum man ausgerechnet Volodymyr Chaplinskij ausgewählt hat.

Die Opferrolle erfüllt er nur zum Teil. Natürlich. Er wurde erschossen. Aber es wird ein Bild von ihm gezeigt, mit einem Schild und einem Knüppel (Keule, Schläger oder ähnlichem) bewaffnet. In Deutschland nennt man so was gewaltbereit und das reduziert im Allgemeinen das Mitleid.

Auch als Muster der demokratischen Bewegung, die ja laut unserer Medien auf dem Maidan statt fand, taugt er nicht so ganz. Denn er trug einen Schild mit der Aufschrift „Dampflock Anarchie“. Diesen Schild hat er sich aus einem Teil einer Waschmaschine angefertigt. Bei der Aufschrift wird er sich schon was gedacht haben. Und man kann mich gerne kleinlich nennen, aber Anarchie hat nicht viel von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und all den anderen feinen Dingen, für die der Maidan doch stand.

Generalstaatsanwalt Viktor Shokin hat übrigens (so wird es berichtet) die Untersuchungen geleitet.
Die USA waren mit dem Mann total unzufrieden, Poroschenko forderte ihn zum Rücktritt auf und lt. Kiev Post ist dieser inzwischen auch erfolgt. Ob mich das nun mit Vertrauen zur Untersuchung erfüllen kann?

Aber gut: jetzt sind die Morde endgültig geklärt! Sagt Kiew und deshalb sagt das auch der Spiegel.
Wie kommt’s?

Es folgt ein wahres Trommelfeuer an Ermittlungstätigkeiten, die dazu beigetragen haben. Ich glaube man hat nichts ausgelassen, was die Forensik hergibt:

Die Auswertung von tausenden von Stunden von Videomaterial.
Handyverbindungen. Biometrische Analysen.
Der Fund der Tatwaffen, der Dank eines anonymen Anrufes nach 1,5 Jahren in einem Kiewer Vorort in einem Gewässer gemacht wurde.
Die Waffen waren zersägt worden.
Ballistische Tests mit denen die Kugeln vom Maidan diesen Waffen zugeordnet wurden. Die Zuordnung von Personen und Waffen erfolgte dank der Listen der Berkut.

Klingt alles ziemlich überzeugend und vor allem auch professionell (im Vergleich zu „wir wissen“ oder „wir haben aufgeklärt“).

Allerdings geht nur bei den Kugeln wirklich ins Detail.
Und da bin ich irritiert.
Ja, ich weiss, man kann Kugeln einer bestimmten Waffe zuordnen. Ich glaube auch, dass man mit Hilfe von Bestandslisten herausfinden kann, an wen welche Waffen herausgegeben wurden.

Aber es wird erwähnt:
Zitat:
„Hatten die Schützen doch alles versucht um eine persönliche Zuordnung der Waffen zu verhindern.“

ALLES VERSUCHT?
Das sind Leute einer Spezialeinheit. Und sie wollen eine Zuordnung der Waffen unbedingt verhindern. Sie haben die Nummern herausgefeilt. Selbst ich weiss, dass das nicht reicht. (CSI sei Dank).
Sie haben die Waffen zersägt, aber die Läufe intakt gelassen! Und vor allem haben sie die Einzelteile der Waffen nicht verstreut sondern schön in einem Bündel in dem Gewässer versenkt.
Hallo!
Wer soll denn das bitte glauben?

Alles tun um eine Zuordnung zu verhindern heisst für mich: Waffe auseinander nehmen, die Läufe (wegen der ballistischen Untersuchung) mit einem Hammer ein wenig platt machen (die kleinsten Schäden machen einen Vergleich mit den Kugeln unmöglich) und dann die Einzelteile von einer Brücke in einen Fluss geworfen (nicht in einer Packung).

Ich habe noch nie jemanden abgemurkst und ich habe es auch nicht vor und Schusswaffen sind für mich sowieso der Ausdruck der blanken Barbarei. Aber selbst ich würde mich nicht so dämlich beim Spurenverwischen anstellen, wie diese Spezialeinheit, die sich doch vermutlich ein klein wenig mit der Polizeiarbeit auskennt.

Aber gut. Jetzt geht es noch mal richtig zur Sache:
Wir erfahren:
26 Berkut-Mitglieder sind nun als Täter identifiziert. 2 Sind in Haft und werden vorgeführt. 21 dieser Männer sind wohl ins Ausland geflohen.
Interpol hat die Haftbefehle für diese 21 Männer abgelehnt.

Warum Interpol das tat? Ist doch dem Spiegel egal. Mich hat gewundert, dass man das nicht zur russischen Verschwörung erhoben hat.
Ich sehe zwei Gründe, warum Interpol diese Haftbefehle abgelehnt hat.

Zum einen ist das ja nun schon das dritte „Ermittlungsergebnis“. Interpol ist auf einen einwandfreien Ruf angewiesen. Und daher wird man es tunlichst vermeiden, sich politisch instrumentalisieren zu lassen. Da beim jährlichen Täterwechseldich-Spielchen sogar der Ministerpräsident und der Präsident mitgemacht haben, haben Kiews „Ergebnisse“ vermutlich nicht unbedingt ein hohes Mass an Glaubwürdigkeit. Vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass sogar noch mehr Variationen der Ereignisse möglich sind, die aber wegen der Verwicklung der aktuellen Regierung in diese Ereignisse nicht beleuchtet werden.

Der andere Grund:
Dieser wird angedeutet. Es starben Polizisten auf dem Maidan. (Dass in der Ukraine für Polizistenmörder eine Amnestie erlassen wurde ist bezeichnend).

Doch genau das ist Knackpunkt: die Schüsse könnten sogar gerechtfertigt gewesen sein.
In keinem Land der Welt wird sich eine Regierung finden, die erklärt: zündet unsere Polizisten an und erschiesst sie, sie werden sich nicht wehren und die Täter werden nicht zur Rechenschaft gezogen.

Im Gegenteil. Der Schusswaffeneinsatz durch die Polizei ist dann gerechtfertigt, wenn Menschen in Lebensgefahr sind und diese Lebensgefahr nicht anders zu beseitigen ist.
Da auf Polizisten geschossen wurde und Polizisten mit Knüppeln, Brandsätzen und mit allem was sonst so vorhanden war angegriffen wurden, bestand Gefahr für Leib und Leben der Polizisten.

Also haben die Kollegen jedes Recht ihre Kollegen auch durch Schüsse auf die Täter zu schützen.

Erlässt Interpol in solch wirren Fällen Haftbefehle, kann das zu sehr unangenehmen Veröffentlichungen führen.

Was war also los auf dem Maidan?
Vermutlich werden wir das genau niemals erfahren. Ich vermute genauso stark, dass wir in mehr oder minder regelmässigen Abständen neue Theorien serviert bekommen. Mit viel Glück werden wir irgendwann ein Bild haben, das der Wahrheit nahe kommt.

Natürlich habe ich nach einer Erklärung gesucht. DIES IST NUN REIN SPEKULATIV!!!

Ich bin davon überzeugt, dass die Köpfe der Putschisten dringend einen Diktator brauchten und da Janukowitsch nicht wollte, half man nach.
Die ersten Schüsse wurden von den Putschisten beauftragt und auf die eigenen Leute abgegeben.(nicht von den Leuten auf dem Platz, sondern aus dem Hotel Ukraina).

Die Demonstranten begannen auf die Polizisten zu schiessen, weil sie dachten, diese hätten geschossen. Bewaffnet waren die Demonstranten schliesslich.
S.z.B. hier:
Zitat:
„Sachartschenko sieht auch, dass viele Aktivisten maskiert sind. Seine Mitarbeiter haben ihm berichtet, dass radikale Demonstranten im besetzten Gewerkschaftshaus Molotowcocktails basteln und ein kleines Arsenal von Schusswaffen lagern.“
Zitat Ende
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-131812904.html

Und als die Demonstranten dann die ersten Polizisten beschossen, hat die Polizei zurückgeschossen.

So sehe ich das! Die ersten Schüsse wurde von Personen angeordnet, die zu Beginn, wenn nicht gar heute noch, an der Putschregierung beteiligt waren, oder noch sind.

Schlussendlich: hätten die Verantwortlichen des Magazins Spiegel TV sich an Interpol ein Beispiel genommen und den „Ermittlungsergebnissen“ nicht blind Glauben geschenkt, dann hätte man sich eine Blamage und mir viel Aufregung erspart!


https://propagandamelder.wordpress.com/2016/03/22/propagandameldungen-vom-22-maerz-2016/#comment-55108

Advertisements