Propaganda und dämliche Berichte auch zum Tode von Muhammad Ali.

„Amerika trauert“ von Spiegel bis Tagesschau. Das ist völliger Blödsinn. Ich wusste es sowieso immer, aber ich kann es auch auf Facebook jetzt sehr gut nachvollziehen: Ali war in den USA doch eher unbeliebt. Der Tagesschau-Artikel macht mal wieder deutlich, wie man mit sowas dann umgeht.

Zuerst trauert ganz Amerika. Als Beleg werden dann Promis angeführt:

„Muhammad Ali war The Greatest. Punkt“, schreibt Präsident Barack Obama in einer Stellungnahme.

Wobei Obama genau weiß, warum er das gleich einschränkt:

Ali sei natürlich nicht perfekt gewesen, so Obama, er sei manchmal unvorsichtig bei der Wortwahl gewesen und voller Widersprüche.

Klar, ein Kriegsdienstverweigerer ist vorsichtig ausgedrückt „nicht perfekt“ und „voller Widersprüche“.

Dann weiter mit der Promiriege:

Zuvor schon hatten sowohl Bill und Hillary Clinton als auch Donald Trump Ali gewürdigt.

Wie interessant (gähn). So geht das noch ein bisschen weiter. Dann:

Ein Idol der Bürgerrechtsbewegung

Ja, das fällt der ARD noch leicht. Zur Kriegsdienstverweigerung nur ein seltsamer Satz:

Und Marc Lamont Hill, Professor am Morehouse College, sagte im Sender CNN: „Als er sich 1967 weigerte, in den Vietnam-Krieg zu ziehen, beschimpften ihn die Leute als Feigling.

Ist das alles, was man bei der ARD zu sagen hat? Der Mann hat nicht nur damit unglaublich viel riskiert und aufs Spiel gesetzt. Und die Konsequenzen hingenommen. Dieser Mut, dieses Rückgrat sagt mehr über Ali aus als irgendein Boxkampf.

Aber dann kommt’s doch noch:

Viele Amerikaner konnten ihn nicht ausstehen

Tatsächlich war Ali nicht immer so beliebt und geradezu verehrt wie in seinen letzten Jahren – im Gegenteil: Während seiner Hochzeit als Boxer gab es viele Amerikaner, die ihn nicht ausstehen konnten. Doch davon ist heute keine Rede mehr.

Nur eine Halbwahrheit. Viele Amerikaner konnten ihn auch bis ganz zum Schluss nicht ausstehen. Deshalb finde ich auf Facebook auch keinerlei Nachrufe von den zahlreichen „Freunden“ (bzw. Bekannten) aus dem Land der begrenzten Unmöglichkeiten. Kein „RIP“ weit und breit. Vor allem in den südlichen Staaten war Ali bis zum Schluss nur ein Nigger. Und für die vielen hirngewaschenen Militaristen – die große Mehrheit der Bevölkerung zählt dazu, das hat jahrhundertelange imperiale Propaganda bewirkt – hielten ihn nicht für mutig, sondern für einen Feigling und Landesverräter. Ali war im Ausland unendlich viel beliebter als im eigenen Land. Aber sowas werden wir in unseren transatlantischen Medien nicht lesen.

http://www.tagesschau.de/ausland/muhammad-ali-109.html


https://propagandaschau.wordpress.com/2016/06/04/offene-diskussion-222016-eure-medienkritik-ist-gefragt/comment-page-1/#comment-88144

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