Empörungsmanagement

Gerne teilen uns die Medien mit, wen oder was wir gut finden müssen oder eben auch schlecht.

Oft wird das erreicht durch „Manipulation durch Weglassen“. Will heissen, man erzählt einen Teil der Geschichte und lässt einen anderen, der ein ganzes Bild vermitteln würde, einfach weg.

Ein bisschen läuft das, wie mit dem Bild „Beständigkeit der Erinnerung“ von Dali. Jeder kennt die zerfliessende Uhr, nicht allen ist dabei klar, dass dies nur ein Ausschnitt aus einem Bild ist. Die eine Uhr vermittelt einen ganz anderen Eindruck, als das Gemälde.

Hier zwei aktuelle Fälle:

Beispiel:
wenn Trump über „Twitter regiert“, dann entsetzt das die Medien. Wenn Obama via Nachrichtenformate im Fernsehen regiert, dann ist das in Ordnung.
Worüber man eigentlich verärgert ist: nach der Wahl hatte man erwartet, dass Trump so tut als sei nix gewesen und sich den Medien andient, denn schliesslich braucht er sie. Und was macht er? Er zeigt: willkommen im 21. Jahrhundert. Entweder, es gibt richtige Nachrichten oder man braucht keine Medien. Dann macht man das über Twitter.
https://deutsch.rt.com/nordamerika/45167-putin-ist-nicht-in-unserem/
https://www.tagesschau.de/kommentar/kommentar-trump-iphone-101.html

Auch vergisst man in Deutschland, wie begeistert man war, als sich Obama dem nun verpönten Twitter widmete.
http://www.n-tv.de/panorama/Obama-twittert-persoenlich-unter-POTUS-article15120531.html

Für das Anliegen des Präsidenten, mit nur 140 Zeichen direkt mit dem Volk kommunizieren zu können, schien man Verständnis zu haben, denn es gab keine Kritik.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/twitter-praesident-obama-twittert-als-potus-a-1034346.html

Und keiner fand die Auftritte Obamas in diversen Shows (Jimmy Fallon z.B.) unangemessen.

Weiteres Beispiel:

Heute empört sich die Tagesschau, dass Trump seinen Schwiegersohn als Chefberater beschäftigen wird.
Zitat:
„Ein Gesetz gegen Vetternwirtschaft legt allerdings fest, dass US-Präsidenten keine Verwandten anstellen dürfen.“
Also der Mann wird ja nicht Minister oder so. Der wird nur Berater.

Aber wo wir bei der Vetternwirtschaft sind. Wo war denn da die Empörung bezüglich der Amerikaner in den letzten Jahren?

Wer glaubt denn ernsthaft, dass Bush Junior ohne Papa es zum Präsidenten gebracht hätte?

Wer glaubt denn ernsthaft, dass Hillary es ohne ihren Ehemann zur Senatorin und schlussendlich zur Präsidentschaftskandidatin gebracht hätte?

Und wer von uns vergisst, dass der Sohn des Vizepräsidenten Biden, sich ein schönes Stück vom Ukraine Kuchen abschneiden wollte? Und wer glaubt, das wäre möglich gewesen, wenn Papa nur Schreiner gewesen wäre?

Irgendwie erinnert mich das an die Borgia. Die sind in die Geschichte eingegangen als total dekadent, tödlich und furchtbar. Witzig ist eigentlich: die haben genau das gleiche getan, wie alle anderen auch, mit einem kleinen Unterschied: sie taten es nicht versteckt, wie die anderen.

Es wird dabei ja nicht gelogen. Es ist schlimmer, es werden Emotionen generiert. Bei der Nachrichtenflut, die man heute über sich ergehen lassen muss, kann man am Ende gar nicht mehr so genau wissen, wodurch eine bestimmte Emotion zu einem bestimmten Thema oder einer bestimmten Person entstanden ist.

Das macht diese Art der Manipulation so perfide. Menschen, die dafür sensibilisiert sind und es bemerken, das sind die, bei denen die Medien ausser Verachtung und Wut überhaupt keine Emotionen mehr generieren können. Die anderen – die sind schon fast verloren. Denn: wie mit jemandem sachlich argumentieren, der emotional belastet ist und nicht mal weiss, wie es dazu kam? Gut zu erkennen sind Opfer dieser Masche daran, dass sie in Diskussionen eigentlich immer nur die Schlagzeilen zitieren. In der Hoffnung, diese würden reichen.


https://propagandamelder.wordpress.com/2017/01/10/propagandameldungen-vom-10-januar-2017/comment-page-1/#comment-104483