Rami Abdelrahman

Da hat wohl mal wieder ein Mohr seine Schuldigkeit getan.

Der Name des Mannes wird nicht jedem spontan ein „Aha“ entlocken.
Seine „Organisation“ allerdings schon: er ist der Mann, der auch „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ genannt wird.

Nun habe ich nach den vielen Märchenstunden bezüglich der Vorgänge um und in Aleppo natürlich keine besonderen Sympathien für diese One-Man-Show, die uns immer wieder als total zuverlässige Quelle serviert wurde.

Aber: ich stelle mir seit einiger Zeit die Frage, ob dieser Mann nicht einfach benutzt wurde, also er selbst die Quellen für glaubwürdig hielt. Ich frage mich, ob seine Aktivisten nicht zumindest teilweise die gleichen Protagonisten sind, wie jene, erst im Februar einen Oscar gewonnen haben.

Die Bewertung der Beobachtungsstelle unterliegt dem Wandel.
Sehr lange galten alle, die die Zuverlässigkeit in Frage stellten, als Opfer der russischen Propaganda oder eben gleich als Trolle bezeichent.

Die Tagesschau sah sich sogar schon dazu genötigt, grosse Verteidigungsschriften zu verfassen.
Hier zum Beispiel soll uns vermittelt werden: alle vertrauen ihm.

Zitat:
„Manche sagen, Rami sei ein Ein-Mann-Betrieb. Die syrische Stimme, die so oft zitiert wird, auch von der tagesschau. Die Militärs in Washington gehen auf seine Website, Menschenrechtsorganisationen greifen auf seine Recherchen zurück. Die EU-Kommission hilft mit Geld. Wie genau, dazu schweigt auch Brüssel.”
Zitat Ende
(Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/beobachtungsstelle-101.html)

Das war am 16.04.2016.

Seit einiger Zeit schon sichert man sich aber ab. Das geht über die üblichen Vokabel „vermutlich“, „offenbar“, „vielleicht“, „man nimmt an“ etc weit hinaus. Mit diesen Vokabeln verhindert man die Notwendigkeit einen Widerruf veröffentlichen zu müssen, wenn die Tatsachen dann bekannt werden und nicht dem Bild entsprechen, das man vorher gezeichnet hatte.

Bei der Tagesschau gestaltet sich die Absicherung wie folgt:
Zitat:
„Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.„
Zitat Ende
(Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/syrien-palmyra-111.html)

Das ist schon ein Abstieg. Man muss natürlich an dieser Stelle eigentlich die Frage stellen: wieso werden EU Gelder herausgeworfen (s.o.), für eine Quelle, der nicht mal mehr die Tagesschau so recht über den Weg traut.

Die Frage wird schon fast brennend, wenn man sich mal zu Gemüte führt, wie sich verschiedene Personen aktuell äusserten.

Stellvertretender Sprecher des Auswärtigen Amtes Fischer:

Zitat:
„…Aber auch die Syrische Beobachtungsstelle ist ja nicht vor Ort, sondern sie sitzt in London. Sie verfügt in der Tat über ein gutes Netzwerk vor Ort, aber nicht alles, was dort gemeldet wird, stellt sich hinterher auch so heraus. Ich meine, auch die Beobachtungsstelle muss halt damit umgehen, dass es Interessen derjenigen gibt, die ihnen bestimmte Dinge melden, damit sie auf bestimmte Weise in die Öffentlichkeit getragen werden…“
Zitat Ende

Der Journalist Jessen (Teil seiner Frage)
Zitat:
„…Nun hat sich in der Vergangenheit herausgestellt, dass die Wahrnehmungen und Berichte der Syrischen Beobachtungsstelle relativ häufig einigermaßen zutreffend sind…“
Zitat Ende
Quelle: (Jung und Naiv – http://www.jungundnaiv.de/2017/03/31/bundesregierung-fuer-desinteressierte-komplette-bpk-vom-31-maerz-2017/)

Also: sowohl Regierung als auch Medien sind sich sehr wohl bewusst, dass die Meldungen der Beobachtungsstelle mit Vorsicht zu geniessen sind.
Davon hat mal leider nichts gemerkt, als es um die Kampfhandlungen in Ostaleppo ging.

Jetzt allerdings, wo diese Beobachtungsstelle meldet: die Guten töten auch, da beginnen die Einschränkungen.
Langsam, aber sicher.
Und wenn es gar um eine mögliche Teilschuld Deutschlands geht (die Frage, ob die Aufklärungsarbeit der Tornados schliesslich zu Angriffen auf Zivilisten geführt hat), da wird man schon sensibel.
(Artikel zum Thema s. hier: http://www.sueddeutsche.de/politik/bundeswehr-toedliche-aufklaerung-1.3442730)

Ich sag es mal so: der kleine Rami sollte gut auf sich aufpassen.

Denn wenn er jetzt beginnt zu berichten, was die „Guten“ anrichten, dann könnte das für ihn tödlich enden.
Nicht einfach so.
Aber: wenn er jetzt nicht mehr nützlich ist, dann muss er sich vermutlich bald nach neuen Einnahmequellen umsehen.
Und da könnte mancher Panik kriegen. Womöglich kommt er auf die Idee, gegen ein Honorar mal die Namen seiner Informanten zu veröffentlichen. Das könnte unerfreulich werden, aber zumindest eine Menge Fragen aufwerfen.

Er könnte bald fallen gelassen werden, wie eine heisse Kartoffel.
Zitat:
„Steffen Seibert, head of the German governmental press and information agency, also called the information provided by the monitoring group“unsubstantial.” He said the government has“no precise data about any specific casualties in this case,”adding that this information is still being verified.”
Zitat Ende
(Quelle: https://www.rt.com/news/383020-germany-doubts-syrian-observatory-report/)

Übersetzung:
„Regierungssprecher Seibert bezeichnete die von der Beobachtungsstelle veröffentlichten Informationen als haltlos. Er erklärte, die Regierung hat keine präzisen Daten über irgendwelche besonderen Opfer in diesem Fall, er fügte hinzu, dass man noch immer dabei ist, die Informationen zu überprüfen.“

Also lassen Sie es mich mal so sagen: sollte in den nächsten Wochen oder Monaten die Meldung erfolgen, dass Rami Abdelrahman einem Autounfall, Herzinfarkt oder einem Hirnschlag erlegen sei, dann werde ich nicht sonderlich überrascht sein.

Sollte er womöglich aus Verzweiflung Selbstmord begangen haben, wenn man dann noch erklärt (immerhin lebt er in England und da haben sie mit so was Erfahrung – s. Beresowski), die Russen hätten ihn abgemurkst, dann werde ich einfach nur gähnen.


https://propagandamelder.wordpress.com/2017/04/01/propagandameldungen-vom-01-april-2017/#comment-118508

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