Gestern Abend habe ich mir die Freisler-Festspiele bei Maischbergers noch vergniffen. Nachdem ich jetzt die halbe Stunde – dank Teleherzog – dann doch reingezogen habe, muss ich für mich konstatieren: Nie hätte ich gedacht, dass wir schon so weit sind. Da spielt sich der Kaiser aller Stuhlrunden auf wie der Rumpelstilz, tobt, zedert renitierend gegen Personen, die von ihren Erlebnissen berichten, spielt Doppelpass mit den beleidigten Uniformierten, die sich nicht anerkannt fühlen ob ihrer gezeigten Leistungen. Und verlässt unter Absingen schmutziger Gesänge das Lokal. Man muss sich wirklich noch mal reinziehen, was die für diesen Abgang verantwortlich Gemachten, der offensichtlich der Majestätsbeleidigung Schuldigen so von sich gegeben haben, in ruhiger Sprache – die Ditfurth und der von Aken. Und dann fordert dieses total überforderte Wesen in der Mitten auch noch die Jutta D. auf, aus Paritätsgründen die Schau zu verlassen. Unfassbar!

Finde den Unterschied!

Frau Ditfurths Äußerungen sind so weit hergeholt nämlich nicht. Zwar nicht in diesem Ausmaße wie letztes Wochenende, aber vom Konzept, der Vorgehens- und Handlungsweise ist mir solcherlei Umtriebe sehr wohl bekannt. Vom Echauffement der Halten-den-Dieb-Rufer hinterher auch. Schließlich jährt es sich zum fünfzigsten Male, den Polizeipräsidenten Duensing im Auftrag der Noske-Gedächtnis-Regierung und in Ausübung seiner Leberwursttaktik anlässlich eines hohen Staatsbesuches nebst Schutzstaffel erlebt haben zu dürfen. Benno O. wäre heutzutage sicherlich auch ruhiger geworden, hätte bestimmt auch gerne jetzt beim Jubiläum mitgefeiert. Geht aber nicht, Pech gehabt!. Und Rudi D. – er könnte jetzt bei Sandra M. auch aus seinem Krabbelsack der Erfahrungen schöpfen – ist auch schon nicht mehr unter uns. So wie die Herrschaften – nicht nur bei Maischberger tönen – da wird sich doch nicht irgendein Bachmann wieder aufgefordert, angespornt fühlen?

Mir war schon lange im Vorfeld bewußt, G20 – das werden wieder Polizei-Sport-Festspiele. Erinnere mich noch – gar nicht gerne – wie ich einmal mehrere Tage Ähnliches – natürlich ein paar Nummern kleiner – Anfang der Achtziger in einem kleinen Universätsstädtchen die Landespolizeisportfestspiele erleben durfte. Es ging um so was wie die goldene Ananas, eine zum Abbruch bestimmte Häuserzeile. Zum Schutz des Rest-Gebälks waren etliche Hundertschaften aufgeboten worden, die auf dem Gelände und den Dächern dann ihrer gefährlichen Arbeit – im unermüdlichen Kampf gegen Sprechchor-Vandalen nach- und vorgingen. Auch wenn längst aktiv im Leistungsprozess der freiheitlich-demokratischen Grundordnung eingegliedert und tätig, bekam ich doch irgendwie mit. Ich durfte frühmorgens vom Frühstückstisch beobachten, wie die endlose Kolonne der Polizeiwannen zur nächsten Schicht ausrückte. Ein Highlight für mich, der Abend, an dem ich von einer Dienstreise zurückkehrte. Hatte mich in der Stadt zur späten Nahrungsaufnahme verabredet. Auf dem Fussweg vom Firmenparkplatz zur Pizzeria war Einmaliges zu beobachten. Auf Straßen und auch in den vielen kleinen Gassen, überall Fähnleins damals Grünberockter mit Helm und meist erhobenem Stock. Das war vielleicht lustig. Immer wieder diese – wie Ziethen aus dem Busch – aus Seitengassen hervorbrechenden, -stürzenden Blocks – fünf, sechs Night-Riders in so sechs, sieben Reihen – im Dauerlauf an sich verüber ziehen zu sehen, das war wie erlebtes Asterix&Obelix im Druidenwald mit frei schwadronierenden römischen Schildkröten.

Der Verzehr der Pizza fiel dann nicht besonders erquicklich aus, stürmten doch vor den Fenstern besagte Sturmtruppen vorbei. Hinter was waren sie eigentlich her? Wohl hinter einem Geist, zu sehen war jedenfalls nichts. Mir schwante schon, die Rückkehr zum Auto wird nicht so einfach werden. So schlimm hätte ich es mir aber nicht vorgestellt, wie es dann wurde. Trotz meiner Kampfbekleidung mit Anzug und Krawatte – Schützenswertes an der Hand – war es mir unmöglich, die polizeilichen Absperrmassnahmen an jeder zweiten Einmündung davon zu übrerzeugen, dass man in friedlicher Absicht unterwegs war.
Nur dank guter Ortskenntnisse – ein Navi hätte nicht geholfen – und antizyklischern Vorgehens gelang es, irgendwie in Richtung des geparkten Fluchtautos zu kommen. Nur um – kurz vor dem Ziel – endgültig im Leberwurst-Sack der Polizeiriegen zu landen.
Ein Geschehen – einfach nur schlimm, wer den Film „Z“ von Costa Gavras kennt, die zentrale Szene auf dem Platz, weiß was ich meine.

Na, ganz so schlimm war es dann doch wieder nicht nicht. Allerdings, die Stimmung war ähnlich aufgeheizt. Der finale Akt der Leberwurst stand an. An beiden Enden dicht gemacht, schritt die „Gabel“ zum in die Mitte reinstechen voran, wogegen die Leberwurstmasse natürlich was gegen hatte. Ein, zwei Zinken der Gabel sanken hernieder, das Megaphon des Scharführers der Ordnungsmacht verlor hörbar die Nerven. Die Nerven durchgegangen wohl auch bei einem Autofahrer, der bis kurz vorher noch glücklich gewesen sein dürfte, sein Auto erreicht zu haben. War wohl am falschen Platz. Ein Entrinnen war unmöglich für ihn, vorwärts, rückwärts, Kehrtwende. Allgemeines Hin- und Hergerenne! Noch nie habe ich mich so flehentliches Bitten ausstoßen hören, uns doch bitterschön ziehen zu lassen. Der erste Gegenüber in Uniform war ungnädig, der zweite nicht mehr. Noch heute bin ich dem unbekannten Gesetzeshüter dankbar.

An all das und noch viel mehr Adäquates habe ich denken müssen, als ich den gnadenlosen Äußerungen eines Herrn Bosbach oder seinem der friedenstiftenden Zunft Angehörigen gegenüber jetzt habe lauschen dürfen. Auch an jene Minuten, die ich einst erleben durfte, als ich Ende der letzten Sechziger glaubte ein verfassungsrechtlich zugesichertes und erlaubtes Verhalten an den Tag legen zu dürfen. Da kann einem schon mal das Herz und der Kehlkopf gleichzeitig bis unter die Schädeldecke klopfen, wenn man sieht, was da von beiden Seiten auf einen vorrückt. Man fühlt sich wie ein Kater in der Sackgasse vor der Wand. Und der denkt sich bestimmt auch nicht: keine Gewalt, friedlich bleiben.

Wer nicht sagen kann, ich bin mal dabei gewesen, sollte schweigen. Ditfurth und von Aken waren jetzt – als Beobachter (!) – dabei. Der Herr Bosbach, diese Sozen-Tusse, der Herr Jörges? Wage es zu bezweifeln.


https://propagandamelder.wordpress.com/2017/07/13/propagandameldungen-vom-13-juli-2017/#comment-134641

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